Stand: 19.06.2019 08:05 Uhr

Ex-Präsident Wulff feiert 60. Geburtstag

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Ein Ex-Kanzler, ein Ministerpräsident und ein Ex-Präsident: Gerhard Schröder, Stephan Weil und Christian Wulff (v.l.; Archiv)

"Was macht eigentlich ein Altbundespräsident?" Die Antwort gibt Christian Wulff selbst - auf seiner Homepage. Ein Auszug aus dem Terminkalender steht dort, unter anderem hat Wulff an der Beerdigungszeremonie des thailändischen Königs teilgenommen, Reden gehalten und mit einer 15-jährigen Bloggerin diskutiert. Eigentlich, wenn alles nach Plan gelaufen wäre, hätte Wulff jetzt dem Ende seiner zweiten Amtszeit als jüngster Bundespräsident der Geschichte der Bundesrepublik entgegen geblickt. Es ist zwar nicht alles nach Plan gelaufen. Trotzdem ist Wulff nicht verbittert. "Ich bin ein zufriedener Mensch", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Heute wird der gebürtige Osnabrücker 60 Jahre alt.

Zwei Niederlagen gegen Gerhard Schröder

Seine Karriere bis zum Februar 2012: beeindruckend. Ratsherr für die CDU in Osnabrück, Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags, Vorsitzender der CDU-Fraktion mit Mitte 30. Dann ein erster Dämpfer, dem vier Jahre später der nächste folgen sollte: Wulff scheitert zwei Mal als Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD). Erst 2003, als Schröder längst Bundeskanzler ist, gelingt Wulff der Wahlsieg. Er holt 48,3 Prozent der Stimmen und wird Ministerpräsident in Hannover. Sein Gegner: Sigmar Gabriel (SPD). Fünf Jahre später verteidigt er seinen Erfolg gegen Herausforderer Wolfgang Jüttner (SPD).

Bettina und das Ende der Farblosigkeit

Auf Hannover folgt, ähnlich wie bei Schröder, Berlin. Im Jahr 2010 tritt Horst Köhler als Bundespräsident zurück und die Bundesversammlung wählt Wulff zum Nachfolger - wenn auch erst im dritten Wahlgang. Der junge Präsident, der auch und vor allem durch seine junge Gattin Bettina etwas von seiner früheren Farblosigkeit verloren hat, avanciert zum Liebling der Medien, vor allem des Boulevards. Doch die Liebe währt nur kurz: Gerüchte und anschließende Berichte über einen günstigen Kredit zum Kauf eines Hauses für die Familie Wulff in Großburgwedel (Region Hannover) machen die Runde. Wulffs Krisenmanagement ist nicht immer präsidial. Die Staatsanwaltschaft hebt seine Immunität auf.

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Der Rücktritt und die Trennung

Der Tiefpunkt dann am 17. Februar 2012: "Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück, um den Weg zügig für die Nachfolge freizumachen", gibt Wulff bekannt. Deutschland brauche einen uneingeschränkt handlungsfähigen und vom breiten Vertrauen der Bürger getragenen Präsidenten, so Wulff weiter. Dies sei bei ihm aber nachhaltig beeinträchtigt. Er könne seine Aufgabe nicht mehr im erforderlichen Maß wahrnehmen. Bei der Pressekonferenz geht Bettina fast symbolisch auf Abstand zu ihrem Mann. Wenige Monate nach dem Rücktritt gibt das Paar seine Trennung bekannt.

Der Freispruch und der Ehrensold

Es folgt ein aufsehenerregender Prozess vor dem Landgericht Hannover wegen des Verdachts auf persönliche Vorteilsnahme. Am Ende steht ein Freispruch für Wulff. Mittlerweile ist Joachim Gauck Bundespräsident und sein Vorgänger muss sich in der Öffentlichkeit für den sogenannten Ehrensold verteidigen: Das Gehalt, das er trotz seines Rücktritts nach knapp 600 Tagen als Staatsoberhaupt weiterhin bezieht. Dann wird es ruhig und ruhiger um ihn. Privat folgt eine zeitweise Wiedervereinigung mit Ehefrau Bettina, aber das ist schon nur noch eine Randnotiz. Die Welt hat sich ein Stückchen weitergedreht und Wulff ist jetzt nur noch Zuschauer.

Wulff und der "Islam-Satz"

Nun hat Wulff mehrere Ehrenämter inne, etwa als Präsident des Deutschen Chorverbandes oder Schirmherr der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft. Dazu arbeitet er wieder als Rechtsanwalt. Sein bekanntester Satz als Präsident bestimmt viele seiner Termine, auch heute noch. Die komplette Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit ist auf seiner Homepage nachzulesen. Gelb markiert steht dort der Absatz, der 2010 für Aufsehen sorgte. "Das Christentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das Judentum gehört zweifelsfrei zu Deutschland. Das ist unsere christlich-jüdische Geschichte. Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.06.2019 | 08:00 Uhr

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