VIDEO: Auch Polizei möchte Castor-Transport verschieben (2 Min)

Niedersachsen will Castor-Transport wegen Corona verschieben

Stand: 20.10.2020 20:49 Uhr

Wegen steigender Infektionszahlen will Niedersachsen den geplanten Atom-Transport von England nach Biblis verschieben. Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat die Bundesregierung darum gebeten.

In einem Brief an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bat Pistorius darum, "dass der Transport und die damit einhergehenden Einsatzmaßnahmen erneut verschoben werden", wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet. Das niedersächsische Innenministerium bestätigte das Schreiben am Dienstag. Er habe den Polizeieinsatz zur Sicherung des Transports mit seinen Behörden "intensiv erörtert" und sei zu einer "Neubewertung" gekommen, schrieb Pistorius. Wegen der Corona-Pandemie sei der Transport derzeit "nicht vertretbar". Auch Seehofer möge die Lage in seinem Ministerium erneut erörtern und eine Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen, so Pistorius.

"Erhöhte Infektionsrisiken für die Einsatzkräfte"

Atomkraftgegner und Umweltschützer erwarten den Transport bisher für Anfang November. Die Landespolizeibehörden haben bereits Tausende Beamte mobilisiert, um sich auf die zu erwartenden Proteste vorzubereiten. Pistorius mahnte in seinem Brief, dass der Einsatz so vieler Polizisten trotz eines geplanten Hygienekonzepts "erhöhte Infektionsrisiken für die Einsatzkräfte" mit sich bringen würde. Allein dadurch, dass sie aus verschiedenen Bundesländern zusammengezogen werden sollen, entstehe eine erhöhte Infektionsgefahr. Darüber hinaus führe der Transport durch viele Gegenden, die schon jetzt den kritischen Sieben-Tage-Grenzwert überschritten haben, so Pistorius. Zuvor hatten bereits die Polizeigewerkschaften darauf gedrängt, den Transport zu verschieben.

Castor-Transport schon einmal wegen Corona verschoben

Der hochradioaktive Atommüll soll aus der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield in England per Schiff in den Hafen von Nordenham (Landkreis Wesermarsch) gebracht werden. Dort soll er verladen und mit der Bahn weiter ins Zwischenlager am Atomkraftwerk Biblis gebracht werden. Es handele sich um sechs Castorbehälter. Der Castor-Transport war bereits für das Frühjahr angekündigt, wurde wegen der Corona-Pandemie allerdings schon zu diesem Zeitpunkt verschoben. Aufgrund internationaler Verträge muss Deutschland den aus seinen Atomkraftwerken stammenden Müll aus den Wiederaufbereitungsanlagen zurücknehmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.10.2020 | 20:00 Uhr

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