Stand: 27.08.2018 12:49 Uhr

Klinikum Oldenburg: Mitarbeiter kritisieren Presse

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Mitarbeiter des Klinikums Oldenburg haben sich mit einem Offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt. (Archivbild)

Die Mordserie von Krankenpfleger Niels Högel, eine ungewöhnlich hohe Sterberate nach Bauchspeicheldrüsen-Operationen und Ermittlungen gegen einen ehemaligen Chefarzt: Das Klinikum Oldenburg ist in den vergangenen Monaten aus den Negativschlagzeilen kaum noch herausgekommen. Für die Mitarbeiter des Klinikums ist das eine erhebliche Belastung. In einem Offenen Brief, der am Montag in der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" als ganzseitige Anzeige veröffentlicht wurde, beklagen die rund 500 Unterzeichner, dass in der Berichterstattung ein völlig falsches Bild von der Arbeit gezeichnet worden sei.

Patienten durch Berichte verunsichert?

"Uns missfällt, in welcher Manier über personelle Veränderungen und vermeintliche Qualitätsprobleme berichtet wurde", heißt es in dem Schreiben. Viele Mitarbeiter würden die Medienberichte als gezielte Stimmungsmache gegen das Klinikum und als unfaire Behandlung und Vorverurteilung des Klinikvorstandes erleben. Außerdem werde dadurch das Vertrauen der Patienten nachhaltig geschädigt. Menschen in gesundheitlicher Not seien verunsichert, ob sie sich noch ins Klinikum "trauen" könnten.

Mitarbeiter vermuten Kampagne

"Wir haben die Nase voll von den Negativschlagzeilen", sagte der Betriebsratsvorsitzende des Klinikums, Niels Lotze, gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Viele der etwa 3.000 Beschäftigten würden in den Berichten eine Kampagne vermuten, die zu Lasten ihrer Arbeitsplätze gehe.

Unterzeichner fordern Ende der Machtkämpfe

Die Mitarbeiter betonen in dem Offenen Brief, dass im Klinikum vom Vorstand ausgehend neue Strukturen geschaffen worden seien, um für mehr Transparenz und Verlässlichkeit zu sorgen. Unvorhergesehene Trennungen von Chefärzten seien nicht im Alleingang und ohne triftigen Grund vollzogen worden. Deutlich wird in dem Schreiben, dass es innerhalb des Klinikums offenbar erhebliche Machtkämpfe gibt. Diese dürften nicht öffentlich auf dem Rücken des Hauses und der Belegschaft ausgetragen werden, so die Forderung der Unterzeichner.

Aktion aus dem Kreis der Mitarbeiter

Die Klinikleitung teilte mit, dass sie den Brief der Mitarbeiter sehr ernst nehme. "Wir wollen unsere Anteil dazu beitragen, dass sich die öffentliche Diskussion versachlicht und sind mit allen Akteuren im Dialog", heißt es in einer ersten Stellungnahme. Die Anzeige in der Zeitung sei eine Aktion aus dem Kreis der Mitarbeiter, von der der Vorstand nichts gewusst habe und für die er auch keine finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt habe. Nach Informationen des NDR soll die Anzeige rund 14.000 Euro gekostet haben, die offenbar von den Unterzeichnern bezahlt wurden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 27.08.2018 | 17:00 Uhr

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