Stand: 08.03.2019 16:16 Uhr

Högel-Prozess: Gutachter schildern Exhumierungen

134 verstorbene Patienten von Niels Högel wurden im Laufe der Ermittlungen exhumiert. In 100 Fällen reichten die Untersuchungsergebnisse für eine Mordanklage. (Archivbild)

Im Prozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel haben am Freitag zwei Rechtsmediziner ausgesagt. Sie beschrieben die Verfahren, wie insgesamt 134 verstorbene Patienten Högels exhumiert und die Leichen auf verschiedene Medikamente untersucht wurden. Auf die Befunde stützt die Staatsanwaltschaft ihre Anklage wegen hundertfachen Mordes. Högel hat demnach schwer kranke Patienten an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst mit Medikamenten vergiftet, um sie wiederbeleben und als Held da stehen zu können.

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Gutachter der MHH untersuchten auch Sargböden

Ein solches Verfahren mit so vielen zu exhumierenden Leichen habe es noch nicht gegeben, sagten die Rechtsmediziner von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Neben Gewebeproben seien Erd- und Holzproben von den Sargböden gesichert und untersucht worden. Die Proben seien vor allem auf die Wirkstoffe Ajmalin, Lidocain und weitere Substanzen getestet worden. Sie sind in den Medikamenten enthalten, mit denen Högel seine Patienten getötet haben soll. Die beiden Rechtsmediziner betonten jedoch, dass ein solcher Nachweis noch nichts über die Todesursache aussage und darüber, ob Högel letztlich verantwortlich für den Tod dieser Patienten war. Nicht in allen Fällen hätten sie beispielsweise klar sagen können, ob die Medikamente erst kurz vor dem Tod eines Patienten verabreicht wurden.

Angeklagter Högel: "Ich wollte erwischt werden"

Högel selbst sagte am Freitag vor Gericht, dass er zwischen seinen Taten nicht daran gedacht habe, damit aufzuhören. Er sei zeitweise zwar vorsichtig beim Spritzen von Patienten geworden, um nicht entdeckt zu werden. Das habe sich im Laufe der Zeit allerdings geändert, er sei nach eigenen Angaben zunehmen verwahrlost und habe nicht mehr besonders auf die Auswahl der Patienten geachtet, denen er Medikamente verabreichte. In seiner letzten Zeit im Delmenhorster Klinikum sei er schließlich ein höheres Risiko eingegangen: "Ich wollte endlich aufhören und erwischt werden."

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Prozess geht Ende März mit unklaren Fällen weiter

An den kommenden Prozesstagen ab dem 28. März werden weitere Gutachter die Krankengeschichte vor allem der Verstorbenen erläutern, bei denen Högel abstreitet oder sich nicht erinnern kann, an deren Tod beteiligt gewesen zu sein. 43 der 100 ihm zur Last gelegten Taten hat er vor Gericht eingeräumt, in fünf Fällen weist er eine Schuld von sich. An die anderen Patienten kann sich Högel nach eigener Aussage nicht erinnern. Högel ist bereits wegen Mordes an Patienten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 08.03.2019 | 14:30 Uhr