Stadtteil Kaltenmoor: Wo der Schimmel zur Untermiete wohnt

Stand: 30.11.2020 07:00 Uhr

Im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor sind viele Wohnungen von Schimmel befallen. Wenn es draußen kalt und feucht wird, blüht er auf. Die betroffenen Mieter fühlen sich vom Vermieter allein gelassen.

von Marlene Kukral

Iman Omeirat ist sauer, sauer auf ihren Vermieter Vonovia. Sie fühlt sich im Stich gelassen. "Ich habe schon mehrmals wegen des Schimmels bei Vonovia angerufen, aber keiner kümmert sich", sagt sie. Omeirat wohnt mit ihren fünf Kindern in einer Vier-Zimmer-Wohnung in einem Hochhaus. Im Kinderzimmer, im Wohnzimmer und im Badezimmer ist Schimmel an der Wand. Die Tapete bröckelt teilweise schon ab. Einmal sei ein Handwerker da gewesen, sagt Omeirat. Der Handwerker habe aber nur mit Farbe über den Schimmel gestrichen. Kurze Zeit später sei der Schimmel wieder da gewesen.

Anliegen beim Vermieter untergegangen

Ein Rundgang mit Bewohner Michael Bugenhagen. Er zeigt auf etwas. © NDR Foto: Torsten Oestermann
Michael Bugenhagen hat sich schon öfter bei seinem Vermieter wegen des Schimmelbefalls in seiner Wohnung gemeldet - vergeblich.

Andere Mieter erzählen im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor ähnliche Geschichten. Michael Bugenhagen hat seit vielen Jahren immer wieder Schimmel in der Wohnung. Auch er habe öfter bei seinem Vermieter Vonovia angeklingelt und gesagt, da müsse etwas getan werden. Er sagt, sein Anliegen sei in einer Bürokratieschleife untergegangen. Bugenhagen glaubt, die marode Bausubstanz der Häuser sei Grund dafür, dass sich der Schimmel in den Wohnungen in Kaltenmoor so wohl fühle. Die Feuchtigkeit komme überwiegend von außen, erzählt er. "Hast du Tapete an der Wand, hast du Schimmel in der Wohnung. Da kannst du machen was du willst, du kannst lüften wie du willst, heizen wie du willst - Schimmel."

Vonovia besitzt 700 Wohneinheiten in Kaltenmoor

Markant an dem Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor sind die Hochhäuser. 1966 sind diese gebaut worden, damals von der Wohnungsbaugesellschaft "Neue Heimat". Seitdem haben die Besitzer immer wieder gewechselt, die Häuser waren aber immer in privater Hand. Viele Wohnungen werden bis heute durch Sozialleistungen gefördert. Vonovia, Deutschlands größter Vermieter, besitzt seit etwa zwei Jahren 700 Wohneinheiten in diesem Viertel.

Stadt erwartet Einsatz vom Vermieter

Ein Hochhausblock im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor im Besitz der Vonovia. © NDR Foto: Alexander Geyer
Im Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor werden viele Wohnungen durch Sozialleistungen gefördert.

Uwe Nehring ist Quartiersmanager in Kaltenmoor. Er kennt die Hochhäuser und seine Bewohner seit Jahren. Große Sanierungsarbeiten habe es hier nicht gegeben, sagt er. Würde die Stadt Lüneburg die Häuser kaufen, würde sie diese wahrscheinlich abreißen und neu bauen, sagt Nehring. Die Stadt ist von den Eigentümern enttäuscht. "Letztendlich ist sozialer Wohnraum in der jetzigen Zeit in Deutschland eine attraktive Einnahmequelle", sagt Nehring. Deshalb erwarte die Stadt auch, dass Konzerne, die solchen Wohnraum kaufen, sich um diesen kümmern. Das betreffe auch Schimmel.

Vonovia: "Wir schicken umgehend Mitarbeiter"

Vonovia kümmere sich auch, heißt es vonseiten des Unternehmens. "Wenn uns Mieterinnen und Mieter Schimmel melden, schicken wir umgehend unsere speziell ausgebildeten Mitarbeiter vorbei, die eine Ersteinschätzung vornehmen, den Schimmel beseitigen und in schweren Fällen Techniker und Gutachter beauftragen", sagt eine Sprecherin von Vonovia. So habe man auch bei den Fällen in Kaltenmoor gehandelt.

Unabhängige Gutachter sehen sofortigen Handlungsbedarf

Iman Omeirat und Marlene Kukral schauen sich den Schimmeln in ihrere Wohnung an. © NDR Foto: Torsten Oestermann
In der Wohnung von Iman Omeirat (li.) blüht der Schimmel im Kinderzimmer, im Wohnzimmer und im Badezimmer an den Wänden.

In der Wohnung von Iman Omeirat schauen sich die beiden unabhängigen Gutachter René Werner und Nils Heidelberg den Schimmelbefall an. Ihr Fazit: Es besteht sofortiger Handlungsbedarf, den Schimmel fachgerecht zu entfernen. Die Gutachter erkennen, dass hier einmal etwas an der Badewanne abgedichtet wurde. "Die Ursache des Schimmels wurde aber nicht behoben", sagt Heidelberg. Fachgerecht sanieren bedeute, dass man befallenes Material ausbauen müsse. "Man muss es entfernen, man muss die Oberflächen reinigen, man muss die Luft filtrieren und eine Luftmessung machen, um eine Sporenfreiheit nachzuweisen", erklärt Heidelberg.

Stadt und AWO haben Mieterberatung eingerichtet

Quartiersmanager Nehring ist im Bürgertreff der Stadt Lüneburg ständig in Kontakt mit den Anwohnern im Viertel. Seit August unterstützt die Stadt zusammen mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Mieter bei Problemen auch in einer eigens eingerichteten sozialen Mieterberatung. Auch wenn es um Schimmel in der Wohnung geht, den man als ungewollten Untermieter schnell wieder loswerden möchte.

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