Stand: 05.08.2015 19:42 Uhr

Polizei sucht auf dem Elbdeich nach vermisster Familie

Wo sind Sylvia und Miriam Schulze aus Drage im Landkreis Harburg? Seit fast zwei Wochen sind Mutter und Tochter vermisst. Am Mittwoch hat die Polizei die Suche wieder aufgenommen. Nicht in der Elbe, sondern auf dem Elbdeich waren Bereitschaftspolizisten mit Spürhunden unterwegs. Drei Kilometer Elbdeich wollte die Hundertschaft am Nachmittag absuchen, wie ein Sprecher mitteilte: vom Norden Drages bis nach Laßrönne. Einen konkreten Hinweis, dass nach der Bergung des toten Familienvaters aus der Elbe hier nun Mutter und Tochter zu finden sein würden, hatte die Polizei nach Auskunft des Sprechers nicht. Man wollte aber ausschließen, dass eine Spur übersehen wird. Falls dort keine neuen Spuren mehr gefunden würden, gelte der Abschnitt als abgesucht.

Suche am Dienstag blieb erfolglos

An ein Unglück glaubt auch die Polizei nicht mehr, seitdem der Familienvater, Marco Schulze, am Freitag bei Lauenburg mit einem Betonklotz am Bein tot aus der Elbe geborgen wurde. Der 41-Jährige habe sich das Leben genommen, sagen die Beamten. Und: Sie sprechen von der Möglichkeit eines erweiterten Suizids. Groß angelegte Suchaktionen mit Spürhunden und Sonarboot am Fundort der Leiche sowie auf der Elbe bei Drage blieben bislang aber ohne Ergebnis. Trotzdem gibt die Polizei ihre Suche in der Elbe nicht auf, hatte am Dienstag erneut Taucher am Fluss in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses der Familie eingesetzt. Bei Niedrigwasser hatten die Taucher bessere Bedingungen, sagte Polizeisprecher Jan Krüger. An dieser Badestelle habe sich die Familie häufig aufgehalten, erklärte die Polizei zuvor und äußerte zunächst eine traurige Vermutung: "Es besteht eine Affinität der Familie zu diesem Ort und daher die Möglichkeit, dass die Körper der Vermissten hier versteckt sind." Die Suche jedoch blieb erfolglos.

Verschwinden von Anfang an rätselhaft

Bereits am 27. Juli - nur drei Tage, nachdem die Familie vermisst gemeldet worden war - wendet sich die Polizei an die Öffentlichkeit, bittet um Hilfe bei der Suche nach Marco, Sylvia und Miriam Schulze aus Drage. Von Anfang an schließen die Beamten aus, dass es eine harmlose Erklärung für das Verschwinden der Familie gibt - wie etwa eine Urlaubsreise. Der Vater war am 23. Juli das letzte Mal im Auto der Familie bei Drage gesehen worden. Die Spuren von Frau und Tochter verlieren sich bereits einen Tag zuvor, am 22. Juli. Nach den Schulzes wird tagelang im Umfeld ihres Wohnorts gesucht, unter anderem mit einem Hubschrauber und mit Suchhunden. Es sind dann aber keine Einsatzkräfte, sondern Spaziergänger, die Marco Schulzes Leiche am vergangenen Freitag in der Elbe bei Lauenburg entdecken.

Fahrrad in Winsen zurückgelassen

Der Polizei zufolge war Schulze mit einem silbernen Fahrrad auf eine Elbbrücke gefahren, hatte das Rad in den Fluss geworfen und war hinterher gesprungen. Der Tote war mit einem 25 Kilogramm schweren Betonteil beschwert, wie es auch für Baustellenabsperrungen verwendet wird. Nach NDR Informationen wurden an der Brücke weitere, ähnliche Betonklötze gefunden. Laut Obduktion ertrank Schulze. Er soll bereits mehrere Tage tot im Wasser gelegen haben. Die Herkunft des silbernen Fahrrads, das nahe des Leichnams aus dem Fluss gezogen wurde, hatte zunächst für Rätsel gesorgt - bis ein Nachbar erklärte, es der Familie Schulze überlassen zu haben. Ein zweites Fahrrad, nach dem die Polizei seit dem Verschwinden der Schulzes suchte, wurde unterdessen nahe des Winsener Bahnhofs wiedergefunden. Der Polizei zufolge soll Marco Schulze mit dem Rad nach Winsen gefahren sein. Warum er es dort zurückgelassen hat, bleibt rätselhaft.

Liebe User, mit Rücksicht auf Angehörige und Freunde der Familie Schulze haben wir uns entschlossen, die Kommentarfunktion auf dieser Seite auszuschalten und damit weiteren Spekulationen zu diesem Fall keinen Raum zu bieten. Die Redaktion.

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