Stand: 29.06.2020 17:04 Uhr

OVG erlaubt Wolfsabschüsse nur bei Nutztier-Rissen

Ein ausgewachsener Wolf steht auf einer Erhöhung und leckt sich die Schnauze. © NDR
Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat über eine Abschussgenehmigung des Landkreises Uelzen geurteilt. (Themenbild)

Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat eine Abschussgenehmigung für Wölfe des Landkreises Uelzen in Teilen für rechtswidrig erklärt. Der Landkreis hatte am 4. April neben einer befristeten Genehmigung für den Abschuss zweier Wölfe die sogenannte letale Entnahme weiterer Tiere unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Dies sei nicht rechtens, da die Tötung von Wölfen ohne Identifizierung nur in einem engen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang mit Rissereignissen erlaubt sei, begründete das OVG den Beschluss. Der zeitliche Zusammenhang sei in diesem bestimmten Beschluss nicht ausgeführt worden.

Zwei Wölfe dürfen geschossen werden

Die Abschussgenehmigung der beiden benannten Wölfe hingegen sei rechtmäßig. Einem Wolfsrüden aus dem Rudel Ebstorf und einer Wölfin aus einem Escheder Rudel waren mehrere Risse nachgewiesen worden. Es sei zu erwarten, dass die beiden Tiere "weiterhin in mit zumutbaren Herdenschutzmaßnahmen gesicherte Schafsherden eindringen und diese Jagdtechniken möglicherweise auch an andere Wölfe weitergeben", hieß es in einer Mitteilung des Gerichts.

Umweltministerium sieht "Marschroute bestätigt"

Das Umweltministerium sieht sich in seiner Wolfs-Politik weitestgehend bestätigt. "Wölfe, die Herdenschutzmaßnahmen überwinden, müssen nicht geduldet werden", sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD). "Eine rechtssichere Entnahme von Problemwölfen ist in begründeten Einzelfällen möglich und richtig." Minister Lies hatte besagte Abschussgenehmigung Ende April bis zur gerichtlichen Klärung vorübergehend ausgesetzt. Die Befristung läuft am Dienstag ab. Von einem Abschuss bis zum Fristende sei nicht auszugehen, heißt es aus dem Ministerium. Derzeit seien keine Risse aus den betroffenen Rudeln vermeldet worden. Komme es dazu, werde "unverzüglich eine neue Ausnahme geprüft und auf den Weg gebracht", hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Beschwerden rechtmäßig

Mit dem Urteil erkannte das Oberverwaltungsgericht die Rechtmäßigkeit von Beschwerden zweier Naturschutzvereinigungen - darunter der Naturschutzbund Niedersachsen (NABU) - an. In der ersten Instanz hatte das Verwaltungsgericht Lüneburg die Eilanträge gegen die Abschussgenehmigung aufgrund fehlender Antragsbefugnis abgewiesen. Der entsprechende Paragraf des Umwelt-Rechtsbehelfsgesetzes sei aufgrund seiner europarechtskonformen Auslegung weiter zu fassen, als es das Verwaltungsgericht getan hat, sagte eine OVG-Sprecherin gegenüber NDR.de.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 29.06.2020 | 17:00 Uhr

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