Stand: 03.09.2020 18:13 Uhr

Lies: Land bei Endlagersuche besonders betroffen

Gelbes Fass mit der Aufschrift "radioaktiv" © picture alliance / dpa Foto: Jens Wolf
Ende September sollen mögliche Atommüllendlager-Standorte benannt werden. (Themenbild)

Vor der Bekanntgabe der möglichen Standorte für ein Atommüll-Endlager hat Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Donnerstag in Hannover mit den Landtagsfraktionen und verschiedenen Institutionen über das Thema diskutiert. Eingeladen waren Vertreter der Kirchen, gesellschaftliche Organisationen sowie Jugendverbände und in der Umweltarbeit engagierte Gruppen. Lies geht davon aus, dass Niedersachsen bei der anstehenden Vorauswahl von Regionen für ein Atommüll-Endlager besonders betroffen sein wird. Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und früheres Mitglied der Begleitkommission Atomendlager, teilte diese Ansicht. "Niedersachsen wird mit mehreren Teilgebieten vertreten sein", so auch Meisters Erwartung.

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Zwei Drittel der Standorte in Niedersachsen?

Lies sagte, das Land habe die Rolle, "Anwalt der Bürger zu sein". Das heiße nicht, ein mögliches Endlager zu verhindern, sondern ein transparentes Verfahren einzuhalten. Am 28. September will die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) geeignete Teilgebiete für ein Endlager benennen. "Es ist auch wegen der geologischen Struktur davon auszugehen, dass nennenswerte Teile von Niedersachsen dabei sind", sagte Lies am Donnerstag. Nach Einschätzung des Umweltministeriums werden sogar rund zwei Drittel der Standorte in Niedersachsen liegen, weil sich hier Salz- und Tongesteine im Untergrund befinden. Die Suche dürfe sich aber nicht alleine auf diese Gesteine beschränken, mahnte Lies. Laut Standortsuchgesetz soll die Endlagersuche 2031 mit einer Entscheidung beendet werden.

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Lange Zeit war Gorleben als künftiger Endlagerstandort ins Auge gefasst worden - und auch in der Vorauswahl wird es wohl weiter vertreten sein, wie man im Ministerium erwartet. Atomkraftgegner haben bereits zu einer Kundgebung aufgerufen. "Wir werden eine erste Bilanz nach Vorlage des BGE-Zwischenberichts ziehen, wie es sich geziemt auf der Straße", sagte der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke. Die Kundgebung soll am 4. Oktober in Gorleben stattfinden.

Prozess ist "der Verdienst der Widerstandsgruppen"

Minister Lies und Landesbischof Meister betonten zum Start des "Niedersächsischen Begleitforums Atomendlager" die Bedeutung des jahrzehntelangen breiten Protests gegen den Standort Gorleben. "Es bleibt der Verdienst der Widerstandsgruppen, dass es zu diesem Prozess gekommen ist", sagte der Bischof.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 03.09.2020 | 06:30 Uhr

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