Stand: 05.05.2016 13:26 Uhr

Kreisverbandschef verlässt nach Islam-Streit AfD

von Kerstin Geisel
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Der AfD-Kreisverbandschef Lüneburg/Lüchow-Dannenberg, Ernst-August Röttger (hier beim Bundesparteitag), prangert die islamfeindliche Ausrichtung seiner Partei an.

"Geht in die muslimischen Gemeinden in euren Orten, geht in den Dialog", hat Ernst-August Röttger seinen Parteigenossen auf dem AfD-Parteitag am Sonntag in Stuttgart zugerufen. Es waren Worte, die unter den AfDlern im Saal heftige Reaktionen auslösten. Buhrufe und Lacher schallten durch die Reihen und übertönten die Worte des Vorsitzenden des AfD-Kreisverbands Lüneburg/Lüchow-Dannenberg. Röttger wurde von seinen eigenen Parteigenossen ausgepfiffen. Nein - für den Islam sehen die Delegierten kaum einen Platz in Deutschland. Eine entsprechend klare Aussage haben sie dann auch im Grundsatzprogramm verankert: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland." Mit der AfD soll es keine Muezzinrufe, keine Minarette und keine Vollverschleierung geben.

Röttger: "Das ist völlig undifferenziert"

Auf die Buhrufe seiner Parteigenossen hat Röttger prompt reagiert - und zwar mit einem Austritt aus der Partei. Es gehe nicht, alle Muslime über einen Kamm zu scheren, sagte Röttger dem NDR. Es gebe die, die einfach nur ihre Religion leben wollten und die, die dem politischen Islam angehörten. Röttger arbeitete zwei Jahre als Umweltingenieur in Manama, der Hauptstadt von Bahrain. Dort hatte er Kontakt zu einem Imam, der ihn sehr beeindruckte, wie er erzählt. Röttger plädiert dafür, die Reformkräfte unter den Muslimen in Deutschland zu stärken und den Dialog zu suchen. Doch Debatten darüber seien in Stuttgart nicht möglich gewesen: "Und am Ende stand dann dort der Satz 'Der Islam gehört nicht zu Deutschland.' Das ist völlig undifferenziert."

"Islamfeindliche Stimmungsmache" in der AfD

Der 39-jährige Röttger hatte sich erst im Februar zum Vorsitzenden wiederwählen lassen. Obwohl er schon länger mit Bedauern beobachtet habe, dass liberalere Mitglieder die Partei verließen, erklärt er. Sich selbst zählt er ebenso dazu wie Parteigründer Bernd Lucke aus Winsen. Auch der Kreisverband habe solche Köpfe verloren. Er selbst habe eigentlich an Partei und Amt festhalten wollen: "Ich habe die Partei in Niedersachsen mit aufgebaut, habe viele Tausend Stunden Arbeit investiert, da wollte ich dafür sorgen, dass sich das positiv weiterentwickelt", so Röttger. Seit etwa vier Wochen aber habe er in der AfD eine islamfeindliche Stimmungsmache erlebt. Das hatte er auf dem Bundesparteitag bemängelt und wurde ausgepfiffen.

Tagesschau.de
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"Unsäglich, vorgestrig, peinlich"

Der Hamburger AfD-Fraktionschef Kruse ist entsetzt über zentrale Teile des Grundsatzprogramms. Sein Urteil fällt vernichtend aus. Tagesschau.de berichtet. extern

Nicht der einzige Kritiker innerhalb der AfD

Ein Kreisvorsitzender, der das Handtuch wirft - ist das jetzt der Anfang einer neuerlichen Spaltung in der AfD? Zumal sich auch der Hamburger Fraktionschef Jörn Kruse sowie weitere Hamburger AfD-Politiker kritisch zum Stuttgarter Programm oder zuvor bereits zum Entwurf äußerten. Im Kreisverband Lüneburg/Lüchow-Dannenberg dagegen gebe es sonst keine aktuelle Kritik oder gar Austritte, sagt der stellvertretende Vorsitzende Stephan Bothe. Im Gegenteil: "Wir hatten in den vergangenen Monaten einige Eintritte und sind damit von unter 70 Mitgliedern auf 78 angewachsen." Damit zählt der Kreisverband zu den stärksten in Niedersachsen.

Röttger: "Fundamentalistische Kräfte" in der Überzahl

Bothe bezeichnete den angekündigten Rücktritt des Vorsitzenden als konsequenten Schritt. Röttger habe sich in der Partei offenbar schon länger nicht mehr wohl gefühlt. Bothe kündigte an, nun selbst für den Vorsitz kandidieren zu wollen. Er wird in Lüneburg eher dem rechten Rand der AfD zugeordnet. Röttger will Bothe nicht als seinen Nachfolger sehen. Unter anderem habe der zu einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation "Junge Alternative" den umstrittenen Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke nach Lüneburg eingeladen. "Das ist ein Demagoge, das hätte ich nie gemacht", sagt Röttger. Er hoffe stattdessen, der liberaler denkende Pressesprecher des Kreisverbands, Svend Schmidt, werde sich durchsetzen. Doch er glaubt nicht wirklich daran, denn "die fundamentalistischen Kräfte haben im Kreisverband schon einen deutlich stärkeren Anteil."

Kommentare

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 04.05.2016 | 17:00 Uhr