Stand: 19.02.2020 16:26 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Erinnern in Unterlüß: Vom Kriegsende bis heute

Die Reste einer Mauer in einem Wald in Unterlüß erinnern an das Tannenberglager, ein Außenlager des KZ Bergen-Belsen.

Die Chronik blickt auf die letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges in Unterlüß (Landkreis Celle) und zeigt, wie der kleine Ort in der Lüneburger Heide gegenwärtig versucht, sich an seine Kriegsvergangenheit zu erinnern:

  • 1944 Im Laufe des letzten Kriegsjahres kommen immer mehr Zwangsarbeiter nach Unterlüß. Rund 5.000 Zwangsarbeiter in mehr als 20 Lagern gibt es zu dieser Zeit in dem kleinen Ort. Darunter auch die damals 14-jährige Edith Balas. Die Zwangsarbeiter arbeiten in der Munitionsfabrik von Rheinmetall Borsig, im Wald oder bauen Straßen.

  • 1945 Im April wird die Munitionsfabrik in Unterlüß durch Luftangriffe zerstört. Als die Alliierten kurz vor Unterlüß sind, fliehen die SS-Aufseher. Aber schon am nächsten Tag kommen bewaffnete Unterlüßer in das Lager, in dem Edith Balas untergebracht ist. Sie zwingen die Zwangsarbeiterinnen, auf Lkw zu steigen, und bringen sie in das KZ Bergen-Belsen. Lokalhistoriker Hendrik Altmann vermutet, dass die Menschen in Unterlüß nicht wollten, dass die Alliierten bei ihnen auf ein KZ-Außenlager stoßen. Edith Balas überlebt Bergen-Belsen. Nach der Schule zieht sie in die USA, heiratet und wird Professorin für Kunstgeschichte in Pittsburgh.

  • 2002 Die Lagerhistorie von Unterlüß wird in einer Ortschronik thematisiert.

  • 2013 Zeitzeugin Edith Balas schreibt einen Brief an die Gemeinde. Darin schildert sie ihre Erlebnisse und schickt einige Exemplare ihrer Biografie an die Bibliothek in Unterlüß. Balas bittet in dem Brief darum, dass die Geschichte in Unterlüß nicht in Vergessenheit gerät. Der Brief wird im lokalen "Lüßblatt" veröffentlicht. Eine Antwort der Gemeinde auf den Brief gibt es zu diesem Zeitpunkt nicht.

  • 2017 Lokalhistoriker Hendrik Altmann findet Überreste des KZ-Außenlagers Tannenberg im Wald bei Unterlüß. Er berichtet darüber auf seinem Blog im Internet und in einem Artikel in der lokalen Zeitung.

  • 2018 Es gründet sich eine Bürgerinitiative für eine Erinnerungskultur.

  • 2019 Inzwischen arbeiten auch Rheinmetall und die Gemeinde mit an einer Gedenkstätte. Im September wird der ehrenamtliche Bürgermeister von Unterlüß, Kurt Wilks, von Dritten auf den Brief von Edith Balas angesprochen und antwortet der Holocaustüberlebenden - sechs Jahre nach ihrem Brief. Unterdessen stellen Demonstranten des Bündnisses "Rheinmetall Entwaffnen" einen massiven Gedenkstein auf dem Gelände des Tannenberglagers auf. Der Stein wird nur wenige Tage später von Unbekannten zerstört.

  • 2020 Die Pläne für eine Gedenkstätte in Unterlüß werden immer konkreter. Neben der Bürgerinitiative, Rheinmetall und der Gemeinde arbeiten nun auch die Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten und die AG Bergen-Belsen e.V. an der Gedenkstätte mit. Noch in diesem Jahr soll ein Ort des Gedenkens eingeweiht werden.

Weitere Informationen

KZ-Gedenkstätte: Unterlüß will sich erinnern

19.02.2020 17:00 Uhr

Im Jahr 1945 gab es rund 5.000 Zwangsarbeiter in KZ-Außenlagern in Unterlüß (Landkreis Celle). Bisher erinnert daran nichts. Eine Bürgerinitiative will das ändern. mehr

Die letzten Tage des KZ Bergen-Belsen

Hunger, Seuchen, Leichenberge: Das Leid der Häftlinge im KZ Bergen-Belsen war unvorstellbar. Am 15. April 1945 befreiten britische Truppen das Lager. Für viele kam die Hilfe zu spät. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 19.02.2020 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

06:20
Hallo Niedersachsen
02:45
Hallo Niedersachsen
02:00
Hallo Niedersachsen