Stand: 09.08.2018 12:29 Uhr

Dürre 2018: Bauern wollen Strukturhilfe statt Geld

Die Landwirte in Niedersachsen müssen 2018 mit der schlechtesten Getreideernte seit 1976 rechnen. Mit einem Minus von 22 Prozent rechnen die Landesstatistiker, bundesweit werden die Dürreschäden auf rund zwei Milliarden Euro beziffert. An der vom Deutschen Bauernverband geforderten Soforthilfe von einer Milliarde Euro für betroffene Betriebe gibt es trotzdem immer mehr Kritik, auch aus Niedersachsen.

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Thorsten Riggert fordert schnelle Hilfe für Betroffene.
Sorge um den guten Ruf

Der Präsident des Landvolks Niedersachsen, Albert Schulte to Brinke, äußerte die Befürchtung, dass nur wenige Betriebe von der Hilfe profitieren könnten. Thorsten Riggert vom Bauernverband Nordost-Niedersachsen sieht das ähnlich. Die in Aussicht gestellte Direkthilfe über eine Milliarde könne sogar schaden, befürchtet der Verbandsvorsitzende. Riggert sorgt sich um den Ruf der Bauern in der Öffentlichkeit: "Nach dem Motto: Jetzt halten sie mal wieder die Hand auf." Die beiden niedersächsischen Bauernfunktionäre bezweifeln, dass die Milliardenhilfe schnell genug an den richtigen Stellen ankommt und nachhaltig für Entlastung sorgen würde.

Trockenheit sorgt für Futterknappheit

Stattdessen fordert Thorsten Riggert nachhaltige Hilfsmaßnahmen im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe statt Geld. "Die Landwirte wollen in die Lage versetzt werden, dass sie selber Vorsorge treiben können. Und dafür muss Politik sorgen." Konkret nennt Riggert erschwingliche Versicherungen gegen Ernteausfälle, steuerfreie Rückstellungen und die Freigabe von Greeningflächen für den Futteranbau. Diese nach EU-Regelung besonders geschützten Vorrangflächen werden bei Ernteverlusten in Ausnahmefällen für landwirtschaftliche Zwecke, zum Beispiel für den Anbau von Ackergras, freigegeben. Riggert drängt auf eine schnelle Entscheidung. Gegenüber NDR1 sagte er: "Diese Entscheidung muss jetzt kommen, weil die Betriebe jetzt anfangen, ihre Rinder zum Schlachten zu schicken, weil sie kein Futter mehr über den Winter haben."

Dürreversicherung wegen hoher Kosten die Ausnahme

Die von Riggert zusätzlich geforderte Dürreversicherung ist nach Auskunft des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft bei Landwirten die Ausnahme. Der Grund: Prämien und Selbstbehalte seien sehr hoch, weil aus Dürre erfahrungsgemäß recht große Schadenssummen resultierten. In einigen anderen EU-Staaten wie den Niederlanden oder Litauen fördert der Staat Dürreversicherungen. Dort werden jeweils 50 bis 70 Prozent der Prämie übernommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 08.08.2018 | 17:00 Uhr

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