Stand: 11.09.2017 13:12 Uhr

Bürgermeister hängt AfD-Plakat wieder auf

"Neue Deutsche? Machen wir selber." - Ein Wahlplakat der AfD mit dieser Aufschrift hing direkt vor einem Sportverein in Ebstorf im Landkreis Uelzen. Das fand Heiko Senking, der Vereinsvorsitzende und gleichzeitig der von der UWG gestellte Bürgermeister von Ebstorf, diskriminierend. Also hängte er es ab. Die Reaktionen waren heftig. Mehr als 150.000 Menschen diskutierten die Aktion im Internet. Es gab eine Welle von Zustimmung, aber auch heftige Beschimpfungen - bis hin zu Morddrohungen. Jetzt hat der Bürgermeister das Plakat eine Laterne weiter wieder aufgehängt.

Keine Reue für die Aktion

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Auf seiner Facebookseite hatte Heiko Senking seine Aktion veröffentlicht.

Es sei nicht der Druck gewesen, der ihn dazu bewogen hat, selbst zum Kabelbinder zu greifen und das Plakat wieder aufzuhängen, sagt Ebstorfs Bürgermeister Heiko Senking. Er habe von Anfang an angekündigt, dass er das Plakat nur umhängen wolle. Senking betonte, dass er seine Aktion nicht bereue, wiederholen würde er sie aber nicht. "Das war sehr spontan, ich hab nicht über alle Konsequenzen nachgedacht", so Senking. Die Reaktionen seien sehr heftig gewesen. Und das ließ der Politiker nicht unkommentiert stehen. Fast allen, die ihn anfeindeten, antwortete Senking im Netz. Die meisten hätten sehr positiv reagiert. "Wir haben uns im Guten verabschiedet, auch wenn die Auffassung unterschiedlich war", so Senking.

Drei Anzeigen: Staatsanwaltschaft ermittelt

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02:20

Ebstorfer Bürgermeister hängt AfD-Plakat ab

08.09.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Der Bürgermeister von Ebstorf und Chef des örtlichen Turn- und Sportvereins hat ein Plakat der AfD entfernt, weil sich Mitglieder diskriminiert fühlten. Danach zeigte er sich selbst an. Video (02:20 min)

Für den AfD-Landesvorsitzenden Armin-Paul Hampel ist die Sache damit erledigt. Er will keine rechtlichen Schritte einleiten. Da Senking das Plakat in der Nähe wieder hingehängt habe, werde der Wählerwille nicht maßgeblich beeinflusst, so Hampel. Für Heiko Senking ist der Fall juristisch aber noch nicht durchgestanden. Wahlplakate abhängen ist eine Straftat. Bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg liegt Senkings Selbstanzeige vor. Außerdem sind zwei weitere Anzeigen von Bürgern eingegangen. Die Ermittler prüfen laut Staatsanwaltschaft, ob es sich um eine Sachbeschädigung handelt.

Vereinsmitglieder fühlen sich diskriminiert

Senking hatte seine Tat mit Beweisfoto in dem sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht. "Der TuS Ebstorf besteht wie alle Sportvereine Deutschlands zu einem großen Teil aus Menschen mit Migrationshintergrund, verschiedener Religionen, sind schwul oder lesbisch und was auch sonst immer", schrieb Senking. Durch den AfD-Wahlspruch würden sich Mitglieder diskriminiert fühlen, so der Vereinsvorsitzende. Er wisse, dass es nicht demokratisch gewesen sei, was er getan habe. Deshalb hatte sich Senking selbst angezeigt. Dass er als Bürgermeister in Ebstorf auch eine Vorbildfunktion habe und gerade deshalb andere Meinungen zulassen müsse, sei für die Aktion unerheblich, sagte er. "Ich habe hier allein als erster Vorsitzender gehandelt."

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Selbstanzeige: Bürgermeister entfernt AfD-Plakat

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.09.2017 | 12:00 Uhr

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