Stand: 12.07.2019 06:50 Uhr

30 Jahre "Göhrde-Morde": Zeugen erinnern sich

von Björn Ahrend
Bild vergrößern
Das Verbrechen, bei dem Ursula (links) und Peter Reinold aus Hamburg 1989 getötet wurden, war vermutlich der Auftakt der Serie, die unter dem Namen "Göhrde-Morde" bekannt ist.

Es war nur ein kurzer Plausch im Wald, doch Elke Vogt aus Dannenberg (Landkreis Lüchow-Dannenberg) kann sich auch 30 Jahre später noch genau daran erinnern. Mit einer Reitkameradin war sie Ende Mai 1989 in der Göhrde unterwegs. Auf einem schmalen Reit-Trail trafen die beiden ein Ehepaar. "Sie hatte einen Korb am Arm und wir scherzten: 'Fürs Pilzesammeln ist es aber noch ein bisschen früh.' Und die Frau sagte: 'Nein, nein, da ist unser Picknick drin'", erzählt die heute 76-Jährige. "Dann verabschiedeten wir uns und ritten weiter. Wir haben uns zunächst nichts dabei gedacht."

Pistolenpatronen verschiedener Größen in Plastiktüten.

Vor 30 Jahren: Die Entdeckung der Göhrde-Morde

Hallo Niedersachsen -

Die Göhrde-Morde ließen vor 30 Jahren ganz Niedersachsen erschaudern. Nach wie vor stehen zwei Fragen im Raum: Gibt es noch mehr Tote und gab es einen Mittäter?

4,03 bei 33 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

"Göhrde-Morde": Zeugin erkennt die ersten Opfer in der Zeitung

Sieben Wochen später, am 12. Juli 1989, fanden Beerensammler die Leichen des Ehepaares Ursula und Peter Reinold aus Hamburg-Bergedorf, das in den Staatsforst Göhrde östlich von Lüneburg zum Picknick gefahren war. Die Körper sind bereits stark verwest. Es wurde angenommen, dass die ersten der so genannten Göhrde-Morde an dem Tag begangen wurden, als Elke Vogt und ihre Reitkameradin das Ehepaar trafen. Vogt, die die beiden an Hand der Beschreibung in der Zeitung erkannt hatte, ging zur Polizei – und hat selbst Angst: "Dass wir vielleicht die letzten waren, die die beiden lebend gesprochen haben - da läuft es mir bis heute kalt den Rücken runter."

Links

Göhrde-Morde: Wer kennt diese Gegenstände?

Auf der Internet der Polizeidirektion Lüneburg sind Bilder der sichergestellten Asservaten im Fall Wichmann aufgelistet. extern

Ein DNA-Treffer führt zum mutmaßlichen Serienmörder

Was sie bis heute umtreibt: Der Ort, an dem sie die späteren Opfer getroffen haben will, liegt knapp zehn Kilometer von dem Fundort der Leichen entfernt. Wurden die beiden woanders ermordet und dann dorthin transportiert – oder zunächst lebend verschleppt? Die Polizei Lüneburg will bis heute nichts ausschließen, im April hat sie Elke Vogt erneut befragt. Auch wenn die Ermittler seit einem DNA-Treffer vor zwei Jahren davon ausgehen, dass Kurt-Werner Wichmann für die Morde an Ursula und Peter Reinold, einen weiteren Doppelmord in der Göhrde sowie den Mord an einer Frau in Lüneburg verantwortlich ist - noch ist vieles ungeklärt. Dazu zählen der genaue Ablauf der Taten sowie die Fragen, ob Wichmann einen Mittäter hatte - und ob er noch viel mehr Taten begangen hat.

Die Geschichte einer brutalen Mordserie

Polizei bittet um Hinweise zu mehr als 400 Gegenständen

Ihn selbst befragen können die Ermittler nicht mehr: Wichmann hat sich 1993 erhängt. Weitere Erkenntnisse erhofft sich die Polizei nun von mehr als 400 Gegenständen, die sie im vergangenen Frühjahr bei einer Durchsuchung von Wichmanns früherem Grundstück gesichert hat: Darunter mehrere Paare Damenschuhe, Messer, ein Beil und Munition. "Noch sind nicht alle Asservate vom Landeskriminalamt untersucht worden, aber wir hoffen darauf, dass sich auf einigen davon Fasern finden vom früheren Besitzer", sagt Mattias Fossenberger von der Polizeidirektion Lüneburg. Außerdem setzen die Ermittler auf Hinweise aus der Bevölkerung. Im Mai haben sie Fotos der Asservate im Internet veröffentlicht - allein an den ersten beiden Tagen wurde die Seite von rund 22.500 Menschen aufgerufen. Bislang hätten sich daraus zwei neue Spuren ergeben. Möglicherweise stehe eines der gefunden Messer mit einem weiteren Tötungsdelikt in Verbindung, sagt Fossenberger.

Staatsforst Göhrde: Ruf eines "Todeswaldes" bleibt

Auch wenn die Ausbeute mager klingt, will die Polizei weiter ermitteln. Auch um den Angehörigen, "wenn schon keinen Trost, so doch zumindest Gewissheit zu geben", wie Fossenberger es nennt. Auch Elke Vogt verfolgt den Kriminalfall bis heute, sammelt Zeitungsartikel, recherchiert im Internet. Die Taten ließen viele Menschen in der Region bis heute nicht los, so die 76-Jährige. "Die Göhrde ist ja eigentlich wunderschön. Doch den Ruf eines ‚Totenwaldes‘ ist sie immer noch nicht los."

 

Weitere Informationen

Göhrde-Morde: Polizei stellt Asservate ins Netz

Auch Jahre nach dem Tod des mutmaßlichen Göhrde-Mörders wird ermittelt. Derzeit werden 236 Taten nach Parallelen untersucht. Bilder von sichergestellten Gegenständen sollen dabei helfen. (07.05.2019) mehr

"Göhrde-Mörder": Polizei prüft 235 Fälle

Lassen sich einem mutmaßlichen Serienmörder aus Lüneburg noch weitere Fälle nachweisen? Die Polizei überprüft derzeit mehr als 200 Fälle auf Parallelen zu den "Göhrde-Morden". (18.04.2019) mehr

"Göhrde-Morde": 400 Fundstücke sichergestellt

Der mutmaßliche "Göhrde-Mörder" aus Lüneburg könnte Dutzende Menschen getötet haben. Die Polizei hat sein früheres Grundstück komplett durchforstet und 400 Gegenstände sichergestellt. (20.04.2018) mehr

"Göhrde-Morde": Polizei vermutet mehr Leichen

Seit Mittwoch durchsucht die Polizei das Haus des mutmaßlichen "Göhrde-Mörders" Kurt-Werner Wichmann in Adendorf. Die Vermutung: Es gibt noch mehr Knochen. Und einen Mittäter. (28.03.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hallo Niedersachsen | 11.07.2019 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:45
Hallo Niedersachsen
02:40
Hallo Niedersachsen
02:30
Hallo Niedersachsen