Saatgut-Züchter lehnen sich gegen neue EU-Regeln auf

Stand: 25.11.2021 21:03 Uhr

Wer aus Hobby oder auch professionell Saatgut bestimmter Pflanzen vermehren will, unterliegt strengen Regularien. Nun will die EU sie noch verschärfen. Niedersachsens Züchter protestieren massiv.

Man habe schließlich schon die Kontrollen durchs Pflanzenschutzamt, sagt Rahel Grün von Culinaris, einem Saatgut-Unternehmen in Rosdorf bei Göttingen. "Und jetzt kommt eine Verordnung, die einem noch einen zusätzlichen bürokratischen Aufwand aufbürdet." Grün kritisiert die Pläne der Europäischen Union scharf: Danach soll es unter anderem eine Meldepflicht für Züchter von Saatgut geben. Zudem müsste künftig auf allen Samen-Tütchen der EU-Pflanzenpass prangen, samt Betriebsnummer und Partienummer. Saatgut soll damit künftig besser rückverfolgbar sein, um bei Schädlingsbefall im Notfall alles einkassieren zu können. Das erklärte Ziel: Die Ausbreitung von Schädlingen besser eindämmen zu können.

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Alte Pflanzensorten könnten aussterben

Im Internet formiert sich nun Widerstand: Eine Petition ruft die EU-Kommission dazu auf, kleine Saatgut-Unternehmen weniger zu gängeln. Denn gerade die würden von einem Anziehen der Regel-Schraube belastet, sagt Rahel Grün. Aber: Viele Unternehmen und Hobbyzüchter setzen besonders auf alte und seltene Sorten, wie grüne Tomaten oder Grünkohl mit roten-grünen Blättern. Sie haben häufig keine amtliche Zulassung, sind zumeist vom Markt verschwunden und könnten nun ganz aussterben, wenn das Züchten sich durch zu viel Bürokratie vielleicht nicht mehr lohnt.

Hobbyzüchter finden seltene Arten aromatischer

Doch gerade diese vom Markt stiefmütterlich behandelten Sorten hätten großes Potential, sagt Kornelia Stock vom Hobby-Züchterverein "Vermehrungsgarten Hannover". Diese Arten seien oft interessanter und auch gesünder. "Man braucht manchmal ein bisschen Zeit, bis man die Qualitäten raushat. Aber dann ist das wunderbar", so Stock. Viele dieser seltenen Pflanzensorten hätten nicht nur eine starke Vielfalt an Aromen, sagt Bernd Alt vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Niedersachsen. Häufig seien sie auch anpassungsfähiger - gerade während des Klimawandels ein Vorteil. Auch Rahel Grün findet, dass die Vielfalt bei Pflanzensamen lieber gefördert werden sollte, "anstatt da auch wieder einen Deckel drauf zu machen, indem man es überreguliert".

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Hallo Niedersachsen | 25.11.2021 | 19:30 Uhr

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