Stand: 30.08.2019 15:26 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Polizei Niedersachsen: Erneut Waffen verschwunden

von Angelika Henkel und Stefan Schölermann

Nach dem Verschwinden einer Maschinenpistole aus den Beständen der Polizei in Celle muss Niedersachsens Innenministerium den Verlust weiterer Waffen einräumen. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der FDP-Fraktion hervor, die dem NDR vorliegt. Insgesamt sind danach zwischen 2016 und 2019 fünf scharfe Pistolen mit etwa 80 Patronen abhandengekommen. Der jüngste Fall ereignete sich in diesem Jahr und betrifft das Landeskriminalamt. Nach NDR Informationen war ein Mitarbeiter im Mai für das Bundeskriminalamt als Personenschützer tätig. Seine Dienstwaffe mit insgesamt 34 Schuss Munition war offenkundig aus seinem Hotelzimmer gestohlen worden.

Auch Schlagstöcke, Tablets und Handys verloren gegangen

Die FDP hatte mit ihrer Anfrage allerdings nicht nur wissen wollen, wie viele Waffen bei der Polizei Niedersachsen zwischen 2016 und 2019 verloren gingen. Sie hatte auch nach Ausrüstungsgegenständen wie Reizgassprays, Schlagstöcken, Handys sowie Computern und Schutzwesten gefragt. Den größten Schwund gab es der Antwort zufolge bei Reizgasgeräten: Mehr als 200 stehen auf der Verlustliste. Auch mehr als 20 Handys gingen verloren. Ähnlich hoch ist die Zahl der nicht mehr auffindbaren Schlagstöcke. Nicht wieder aufgetaucht sind auch mehr als zehn Tabletcomputer sowie Speicherkarten und Laptops. Manche davon wurden den Angaben zufolge auch gestohlen.

FDP fordert Überprüfung der Sicherheitssysteme

Der innenpolitische Sprecher der FDP, Marco Genthe, nannte die Zahlen "mehr als besorgniserregend". Dass in diesem Jahr eine weitere scharfe Schusswaffe möglicherweise zielgerichtet entwendet worden sei, habe er zuvor nicht gewusst. Die anderen Waffenverluste betreffen die Polizeidirektionen Göttingen, Hannover und Oldenburg und liegen zum Teil mehrere Jahre zurück. Genthe zeigte sich erschrocken über die hohe Zahl verschwundener Gegenstände mit Sicherheitsrelevanz. Das lege eine Überprüfung und eventuell auch eine Überarbeitung der Sicherheitssysteme in den einzelnen Behörden nahe. Wenn Datenträger verschwunden seien, müsse geprüft werden, ob möglicherweise Informationen in falsche Hände gelangt seien.

Innenministerium: Verluste "kein neues Phänomen"

Niedersachsens Innenministerium sieht die Sache offenbar weniger dramatisch. Rund 12.000 Beamte der Landespolizei seien operativ tätig und mit Waffen, Reizgas, Handschellen und Ähnlichem ausgerüstet. Bei unvorhergesehenen Situationen im Einsatz und im Streifendienst und besonderen Situationen wie Fußballspielen und Auseinandersetzungen bei Demonstrationen komme es immer wieder vor, dass Ausrüstungsgegenstände verloren gingen. Solche einsatzbedingten Verluste seien deshalb auch kein neues Phänomen, heißt es in der Antwort auf die FDP-Anfrage.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.08.2019 | 15:00 Uhr

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