Stand: 03.05.2019 15:02 Uhr

Missbrauch in Lügde: Zahl der Opfer steigt auf 41

Mindestens 41 Kinder wurden auf einem Campingplatz in Lügde missbraucht. (Archivbild)

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde hat die Polizei ein weiteres Opfer identifiziert. Damit ist die Zahl der Missbrauchsopfer auf 41 gestiegen. Die Zahl der Verdachtsfälle hat sich entsprechend auf elf reduziert. Das haben die Staatsanwaltschaft Detmold und die Polizei Bielefeld am Freitag bekannt gegeben. Die Opfer und deren Angehörige werden laut Polizei intensiv betreut, um Traumatisierungen zu verhindern.

Drei Hauptverdächtige sitzen in U-Haft

Über Jahre hinweg sollen auf dem Campingplatz an der niedersächsischen Landesgrenze ein 56-jähriger Dauercamper und ein 33 Jahre alter Komplize Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Ein 48-Jähriger aus Stade soll als Auftraggeber fungiert und die Taten live im Internet verfolgt haben. Die drei Männer sitzen in Untersuchungshaft. Der Hauptverdächtige soll seine Pflegetochter eingesetzt haben, um weitere Opfer anzulocken. Das Jugendamt des Landkreises Hameln-Pyrmont hatte dem Mann die Pflegschaft für das Mädchen auf Bitten der Mutter zugesprochen. Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels (SPD) räumte nach dem Bekanntwerden des Falls schwere Fehler ein, auch weil die Behörde Hinweise zu sexuellem Kindesmissbrauch falsch eingeschätzt hatte.

Videos
06:53
Panorama 3

Pannenserie Lügde: Polizei übersieht Schuppen

Panorama 3

Weitere Vorwürfe gegen die Ermittler im Missbrauchsfall in Lügde: Neue Datenträger sind aufgetaucht - und ein Schuppen des Hauptbeschuldigten auf dem Campingplatz wurde übersehen. Video (06:53 min)

Gravierende Pannen im Laufe der Ermittlungen

Darüber hinaus war es im Laufe der polizeilichen Ermittlungen mehrfach zu gravierenden Fehlern gekommen. Unter anderem verschwanden zuvor sichergestellte Beweismittel oder wurden bei der Durchsuchung der Campingplatz-Parzelle übersehen. Zudem wurde ein Leiter der Sonderkommission suspendiert, weil gegen ihn Bezug auf Ermittlungen in anderen Sexualdelikten aus früheren Jahren der Verdacht auf Strafvereitelung im Amt besteht. Der Prozess in dem Fall könnte im Juni beginnen. Noch hat das Landgericht Detmold nicht über die Annahme der Anklage entschieden. Derzeit prüft die Generalstaatsanwaltschaft Hamm noch ein Papier der Staatsanwaltschaft Detmold.

Weitere Informationen
Link

Lügde: Wie ein Zeuge in Misskredit gebracht wird

Im Missbrauchsfall Lügde hatte ein Unternehmer auf mögliche Ermittlungsversäumnisse aufmerksam gemacht. Berichte, er stehe den Reichsbürgern nahe, weist er zurück. Mehr bei tagesschau.de. extern

Lügde: Verfahren gegen Verdächtigen eingestellt

Im Fall des Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde ist das Verfahren gegen einen der acht Verdächtigen eingestellt worden. Laut Polizei besteht kein hinreichender Tatverdacht. (24.04.2019 mehr

Missbrauchsfall Lügde: Polizei übersieht Schuppen

Im Missbrauchsfall in Lügde gibt es neue Vorwürfe gegen die Ermittler. Erneut sind Datenträger aufgetaucht - zudem wurde ein Schuppen des Hauptbeschuldigten auf dem Campingplatz übersehen. (16.04.2019) mehr

Lügde: Verdächtiger ist auf Bildern zu erkennen

Sonderermittler Ingo Wünsch hält die Beweismittel im Missbrauchsfall Lügde trotz verschwundener Asservate für "ausreichend". Es gebe belastendes Bildmaterial. (22.03.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.05.2019 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:55
Hallo Niedersachsen
01:35
NDR//Aktuell