Stand: 12.09.2018 19:52 Uhr

Kartoffeln unter Strom: "PotatoEurope"

von Helmut Eickhoff

"Das sieht sehr gut aus. Vielversprechend." Landwirt Heinrich Heers aus Zahrenholz im Landkreis Gifhorn begutachtet vier Ackerreihen sehr genau. Braune Stengel schauen aus der Erde, daneben liegen vertrocknete Blätter und im Boden stecken goldgelbe Kartoffeln mit fester Schale. Der Acker ist bereit, abgeerntet zu werden. Oder er wäre es - doch hier handelt es sich nur um einen Schauacker auf Gut Bockerode in Springe (Region Hannover). Dort findet die "PotatoEurope" statt, eine der wichtigsten Kartoffelanbaumessen Europas.

Kartoffeln: Bunter als mancher denkt

Strom statt Chemie

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Messe ist die sogenannte Krautminderung. Bevor Kartoffeln geerntet werden können, muss der Rest der Pflanze abgetötet sein. Nur so kann die Knolle eine feste Schale bilden, welche die Frucht bei Ernte und Transport schützt. Um das "Kraut" abzutöten, nutzt Landwirt Heers ein chemisches Mittel: "Wir wollen aber davon weg." Ein alternatives Verfahren könnte darin bestehen, den Kartoffelacker unter Strom zu setzen. So wie auf dem Versuchsacker auf Gut Bockerode. "Es fehlen noch die großen Erfahrungen, es ist aber ein interessantes Verfahren", sagt Ulrich Grocholl von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. "Der Traktor zieht Bleche über den Acker. Damit wird das Kartoffelkraut unter Strom gesetzt und abgetötet", erklärt Peter Frings von der Herstellerfirma Zasso. Er ist davon überzeugt, dass in Zukunft fast jeder Kartoffel-Landwirt so ein Gerät haben wird. "Die Debatte um chemische Mittel wird immer lauter. Da werden auf lange Sicht einige wegfallen."

Ein Traktor zieht einen Kartoffelroder vor einer Messeausstellung entlang. © NDR

Alles rund um die Kartoffel

240 Aussteller auf 300 Hektar Fläche: Bei der "PotatoEurope" bei Hannover präsentieren internationale Aussteller die neusten Techniken vom Anbau bis zur Vermarktung der Kartoffel.

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Rotes Fleisch gegen freie Radikale

Auf der "PotatoEurope" präsentieren Kartoffelzüchter zudem die unterschiedlichsten Kartoffeln. "Weit mehr als 300 Sorten gibt es in Deutschland. Darunter auch viele, die nicht gelb sind, sondern blau oder rot", sagt Wolfgang Walter, Geschäftsführer des Kartoffelzuchtunternehmens Norika. In Frankreich, Großbritannien und den USA sei das längst ein Trend. Er hofft, dass dieser auch nach Deutschland schwappt. "Rotfleischige Kartoffeln sind auch krebsvorbeugend, da sie freie Radikale im Körper abfangen", so Walter. Seine Firma setzt unter anderem auf die roten Knollen - mit ausgefallenen Namen wie "Lipstick".

Kartoffelbauern beklagen schwache Ernte

Die Kartoffelexperten kommen diesmal in einer schweren Zeit zusammen. Denn die lange Dürre des Sommers hat eine schlechte Ernte zur Folge. Die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG), Veranstalter der "PotatoEurope", verweist auf Prognosen, wonach die deutsche Kartoffelernte in diesem Jahr zwischen 8,5 Millionen und 10 Millionen Tonnen betragen könnte. Im Vorjahr waren es noch 11,7 Millionen Tonnen. "Man denkt da ja so in Generationen", sagt Lüder Cordes von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Bezirk Nienburg, "und da würde ich schon sagen, in den letzten 25 Jahren ist das die schlechteste Ernte."

Mehr als 200 Aussteller, 10.000 Besucher

Die "PotatoEurope" findet jährlich statt und gastiert alle vier Jahre auf dem Rittergut Bockerode. Sie gilt mit mehr als 200 Ausstellern als Europas führende Messe für Kartoffelanbau. "40 Prozent der Besucher sind aus dem Ausland. Sie kommen aus Europa, von der arabischen Halbinsel, aus Amerika", sagt DLG-Hauptgeschäftsführer Reinhard Grandke. Er rechnet nach eigenen Angaben mit bis zu 10.000 Besuchern. Die Messe ist am Mittwoch gestartet und am Donnerstag erneut von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Eine reguläre Tageskarte kostet 20 Euro an der Kasse und 15 Euro im Internet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 12.09.2018 | 14:00 Uhr

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