Stand: 22.01.2020 14:35 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Jagd, aber kein Wolf - Viel Kritik an Lies

von Michael Orth
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Umweltminister Olaf Lies muss wegen der erfolglosen Suche nach dem Rodewalder Leitwolf einige Kritik einstecken. (Archivbild)

"Verrannt", "gescheitert", "völlige Erfolglosigkeit": Für die Jagd auf den sogenannten Rodewalder Rüden muss Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) viel Kritik einstecken. Vor genau einem Jahr hatte Lies den eigentlich streng geschützten Wolfsrüden zum Abschuss freigegeben. Weil der auch gut gesicherte Weidetiere gerissen hatte und weil, nach Ansicht des Umweltministers, die Gefahr bestand, dass er seine Jagdtechnik auch seinem Rudel beibringt. Die Jagd hat viel Geld verschlungen, unter anderem auch, weil ein Spezialist aus dem europäischen Ausland engagiert wurde. Doch auch der hatte keinen Erfolg.

FDP: Minister liefert nur Versprechungen

Damit habe Umweltminister Lies "eindrucksvoll bewiesen, dass er es nicht hinkriegt", kritisiert der agrarpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Hermann Grupe. Der Minister tue "nichts, außer zu beschwichtigen, zu beschönigen und zu versprechen". Grupe vermisst nach eigenen Angaben eine "handlungsfähige Wolfspolitik" der Landesregierung. Stattdessen werde mit großem Aufwand erfolglos ein Einzeltier bejagt.

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Wenn der Minister die Abschussverfügung jeden Monat erneuere, zeige das, dass er sich verrannt habe, meint der naturschutzpolitische Sprecher der Grünen, Christian Meyer. Rund 150.000 Euro habe allein der ausländische Experte gekostet. Das sei fast doppelt so viel, wie für Schadenersatz an Weidetierhalter ausgegeben wurde, rechnet Meyer vor. Gleichzeitig stapelten sich die unbearbeiteten Anträge auf Herdenschutzmaßnahmen in der zuständigen Behörde.

Suche nach Rodewalder Wolf: "Nicht noch ein Jahr"

NDR 1 Niedersachsen -

Seit einem Jahr ist der Rodewalder Wolf von Umweltminister Lies zum Abschuss freigegeben - ohne Erfolg. Noch ein Jahr sollte er sich und uns nicht zumuten, kommentiert Michael Orth.

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AfD will "schnelleres, entschlosseneres" Handeln

Für die AfD zeigt die erfolglose Jagd auf den Rodewalder Rüden die "generellen Schwächen des Wolfsmanagements in Niedersachsen". Sobald ein Rudel "übergriffig" werde, müsse "schneller, durchschaubarer, erfolgreicher und entschlossener gehandelt werden können", fordert der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Stefan Wirtz.

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Und selbst vom Koalitionspartner kommt leise Kritik. "Man muss sich schon fragen, was da schiefläuft, wenn der Rüde nach einem Jahr noch immer nicht geschossen wurde", wundert sich der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Martin Bäumer. Nicht nur aus Kostensicht sei dieser Zustand nicht zufriedenstellend. Das bisherige Verfahren mache mehr als deutlich, dass man bei der Wolfsjagd "auf die Expertise unserer Jäger angewiesen" sei.

Lies setzt auf geändertes Naturschutzgesetz

"Ohne Jäger geht es nicht", findet auch Umweltminister Lies. Wegen der nicht eindeutigen Rechtslage verweigern die sich aber der Wolfsjagd. Denn bislang wird immer nur ein ganz bestimmter Wolf zum Abschuss freigegeben. Wird bei der Jagd aus Versehen ein anderes Tier getötet, macht der Schütze sich unter Umständen strafbar. Das geänderte Bundesnaturschutzgesetz erlaubt künftig, einzelne, nicht näher bestimmte Tiere eines Rudels abzuschießen. Dann, so hofft Lies im Interview mit dem NDR in Niedersachsen, könne er auch die Jäger ins Boot holen. Deren Sach- und Revierkenntnis könnten helfen, "Problemwölfe" wie den Rodewalder Rüden künftig schneller aufzuspüren und zu erlegen.

Minister: Jagd erschwert durch mehrere Faktoren

Warum der Wolf bislang noch nicht erlegt werden konnte, dafür gibt es laut Lies mehrere Gründe. Zum einen hätten selbst ernannte Wolfsschützer die Jagd gestört. Dann habe zum Teil schlechtes Wetter geherrscht, bei Regen ließen sich Wolfsspuren nun mal schlecht verfolgen. Und als das Rudel Nachwuchs hatte, habe sich die Jagd auch verboten.

Ist der Wolf überhaupt noch da?

Seit dem 23. Januar 2019, also dem Tag, als der Abschuss verfügt wurde, ist der Wolf übrigens nur noch selten auffällig geworden. Nach Angaben des Umweltministeriums konnten ihm bis Juli vergangenen Jahres drei Risse anhand von DNA-Spuren eindeutig zugeordnet werden. Dabei wurden zwei Schafe und ein Kalb getötet. In einem Fall war die Schafherde nicht ausreichend geschützt.

Ob der Rüde aktuell überhaupt noch in seinem angestammten Revier im Raum Nienburg jagt oder der Umweltminister vielleicht sogar hinter einem Phantom her ist, ist übrigens offen. Er gehe davon aus, dass der Rüde noch da sei, sagte Lies im NDR Interview. Aber belastbare Nachweise dafür hat er nicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.01.2020 | 08:00 Uhr

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