Stand: 03.08.2018 14:13 Uhr

IS-Prozess: 23-Jähriger gesteht und bereut

Im Prozess gegen einen mutmaßlichen IS-Sympathisanten hat der Angeklagte zu Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in einer WhatsApp-Gruppe Kämpfer angeworben zu haben. Der 23-Jährige aus Laatzen (Region Hannover) ließ am Freitag über seinen Verteidiger erklären, dass er kein gewalttätiger Mensch sei. "Ich bereue, was ich getan habe." Laut Anklage war der 23-Jährige Mitglied der geschlossenen WhatsApp-Gruppe, bis zu 45 Mitglieder sollen beteiligt gewesen sein.

Geld für einen Kämpfer?

Einige von ihnen hielten sich laut Anklage als IS-Kämpfer in Syrien auf oder hatten dort bereits für die Terrormiliz gekämpft. Einen 21-jährigen Ausreisewilligen soll der Angeklagte in seinem Entschluss bestärkt haben, aufseiten der islamistischen Terrormiliz gegen das Assad-Regime zu kämpfen. Der Mann reiste laut Staatsanwaltschaft später tatsächlich nach Syrien. Einem weiteren Teilnehmer der WhatsApp-Gruppe soll der Angeklagte Geld geboten haben, um ihn als Mitglied des IS anzuwerben.

Aussage: Taten aus Einsamkeit heraus

Streng religiös sei der 23-Jährige nach eigener Aussage vom Freitag nie gewesen. Laut der Erklärung vor Gericht habe er die ihm zur Last gelegten Taten aus Einsamkeit und auf der Suche nach Anerkennung begangen. Er habe damals Liebeskummer gehabt und nächtelang Computerspiele gespielt. Die Grenzen zwischen Realität und virtueller Welt seien bei ihm verschwommen. "Ich bin kein Befürworter von Krieg und Leid, sondern ein friedlicher Mensch", ließ er über seinen Anwalt erklären.

Gericht: Keine Unterstützung, sondern Werbung für IS

Ursprünglich hatte die Anklage ihm die Unterstützung einer Terrorgruppe im Ausland sowie das Rekrutieren von Mitgliedern zur Last gelegt. Das Gericht ließ den Anklagepunkt der Unterstützung aber fallen. Beweisbar sei nur das Werben von Mitgliedern für eine Terrorgruppe in zwei Fällen. Dem Angeklagten droht damit eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Zudem könnte er als Heranwachsender nach Jugendstrafrecht verurteilt werden, weil er zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alt war. Er sitzt nicht in Untersuchungshaft, jedoch wurde ihm sein Pass entzogen. 

Zeuge wollte für IS kämpfen

Für den Prozess sind insgesamt sieben Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte am 10. September gesprochen werden. Am nächsten Prozesstag soll ein Zeuge gehört werden, dem der Angeklagte während dessen Ausreise zum IS in Sprachnachrichten Tipps gegeben haben soll. Erst an der türkisch-syrischen Grenze soll der 21-Jährige sein Vorhaben aufgegeben haben, für die Terrormiliz zu kämpfen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.08.2018 | 14:00 Uhr

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