Der Natur mehr Raum geben: Hannover wagt Wildnis

Stand: 08.09.2021 15:09 Uhr

Seit 2016 geht die Stadt Hannover beim Naturschutz einen neuen Weg: Nicht mehr akkurat gemähte Rasenflächen und penibel gestutzte Hecken prägen ausgewählte Flächen. Stattdessen: geplanter Wildwuchs.

Kann Wildnis auch in der Stadt funktionieren? Das war die Frage des Projekts "Städte wagen Wildnis" - mit offenem Ausgang, wie die Initiatoren betonen. Fünf Jahre also ließ man die Natur in einer menschengemachten Umgebung in Ruhe, in diesem Jahr endet nun das Experiment. Dafür wurde auf speziellen Flächen in Hannover Wildnis gezielt zugelassen oder auch gefördert - darunter eine Kleingarten-Kolonie, Waldlichtungen und alte Gleisanlagen, die sich zu nach-industrieller Wildnis wandelten.

Mehr Lebensraum für Artenvielfalt

Das Anliegen des Projekts: Tieren und Pflanzen in der Stadt durch nur noch extensive Pflege mehr Lebensraum zu geben und damit die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern, so die Initiatoren. "Daran wiederum sollen sich die Menschen erfreuen und Natur besser schätzen lernen."

Initiatoren: Brachflächen wichtig für Insekten

In der Praxis heißt das, dass die Mitarbeitenden des Grünflächenamtes zum Beispiel seltener mähen, etwa entlang des Flusses Fösse. Dort wachsen in grünen Inseln, die ganz ungemäht bleiben, inzwischen Büsche und Kleinbäume. "Weniger Mähen heißt nicht weniger Arbeit", betont Projekt-Mitarbeiterin Solveig Hesse, es müsse nur anders geplant werden.

Insekten profitieren

Konkrete Ergebnisse, inwiefern die sich selbst überlassenen Wildnis-Inseln der Artenvielfalt zugute kommen, gebe es jedoch noch nicht, sagt Projekt-Mitarbeiter und Landschaftsplaner Christoph Zoch. "Da haben zu viele verschiedene Faktoren Einfluss auf die Zusammensetzung der Arten, hinzu kamen die zwei Extrem-Sommer". Er ist sich aber sicher: "Extensive Grünlandpflege ist wichtig für Tagfalter oder Wildbienen, temporäres Brach-fallen-lassen wird ein Habitat zur Überwinterung von Insektenlarven, eine wilde Weide bietet Nistplätze und fördert offene Lebensräume".

Wildnis-Lotsen können Ideen umsetzen

Ein Ergebnis aber gebe es: Eine Befragung der Universität Hannover habe ergeben, dass die Ergebnisse bei Anwohnern zur neuen "wilden Natur" überwiegend auf Zustimmung gestoßen seien, sagte Hesse. Man habe zudem sogenannte Wildnis-Lotsen geschult, die eigenverantwortlich Ideen umsetzen können, wie mehr Wildnis in der Stadt gefördert und von den Menschen geschätzt werden kann.

Bund fördert das Projekt

Neben Hannover beteiligen sich Frankfurt am Main und Dessau an dem Projekt. Gemeinsames Ziel der drei Städte sei es, ein neues Bild von Stadtnatur zu entwickeln, das wilder, aber nicht weniger schön sei. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

Weitere Informationen
Holger Buschmann , Nabu-Präsident Niedersachsen, Barbara Otte-Kinast (CDU), Agrarministerin Niedersachsen, Gerhard Schwetje, Präsident Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Holger Hennies, Präsident Landvolk Niedersachsen, Axel Ebeler, stellv. Vorsitzender BUND Niedersachsen, und Olaf Lies, Umweltminister Niedersachsen, stehen bei der Vorstellung des Jahresberichtes von "Der niedersächsische Weg". © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

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