Corona: Landesregierung stellt "Eskalationsplan" vor

Stand: 05.10.2020 17:22 Uhr

Um einen schnelleren Anstieg von Corona-Neuinfektionen zu verhindern, haben das Sozial- und Innenministerium ein Handlungskonzept erarbeitet - mit vier Szenarien, fünf Warnstufen und Empfehlungen.

"Im Mittelpunkt des Handlungskonzepts steht das Ziel, einen erneuten landesweiten Shutdown mit seinen erheblichen ökonomischen und sozialen Folgen möglichst zu vermeiden", sagte Innenminister Boris Pistorius bei der gemeinsamen Vorstellung mit Gesundheitsministerin Carola Reimann (beide SPD) am Montag. Das Konzept richte sich an örtliche Behörden und biete ihnen einen "differenzierten Orientierungsrahmen" für weitere Eskalationsstufen. Was mit Farben unterlegt zunächst eindeutig scheint, bedarf durchaus eines genauen Blickes. Denn auf Grundlage von folgenden vier Szenarien, gibt es fünf Warnstufen, die wiederum Handlungsempfehlungen mit sich bringen.

Örtliche Ausbrüche bis Eskalation

Vorab: "Der beste Fall ist der grüne: geringes Infektionsrisiko konzentriert auf einzelne Hotspots", sagte Reimann.

Das sind die übrigen drei möglichen Szenarien:

  • gelb - begrenztes, aber stetiges Wachstum
  • orange - schwerere Hotspots
  • rot - massives und landesweit eskalierendes Infektionsgeschehen

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Visualisierung: Coronavirus. © picture alliance / 360-Berlin

Download: Handlungskonzept zur Pandemie-Bekämpfung

Mit Blick auf steigende Infektionszahlen hat das Land ein neues Konzept entwickelt. Hier können Sie es herunterladen. Download (1 MB)

Fünf Warnstufen, abhängig vom Infektionsgeschehen

Wiederum auf Grundlage dieser vier Szenarien wurden laut Ministerium fünf Warnstufen definiert. 1 (normal), 2 (erhöht), 3 (stark), 4 (sehr stark) und 5 (eskalierend). "Sie empfehlen den Gesundheitsbehörden vor Ort anhand von Schwellenwerten bestimmte Handlungsansätze", heißt es weiter.

Diese Stufen seien als Orientierungswerte gedacht und würden mit den zwischen Bund und Ländern vereinbarten Maßnahmen übereinstimmen. Die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner, sei dabei wichtiger Maßstab, wonach sich etwaige schärfere Einschränkungen richten. "Aktuell befindet sich Niedersachsen landesweit noch im Szenario "Grün" und in der Warnstufe 1, so das Ministerium.

Landesweite Einschränkungen nicht ausgeschlossen

Bis zu einer Inzidenz von 20 stünden vorbereitende Maßnahmen im Vordergrund, teilt die Landesregierung mit. Aktuell sei dies in Niedersachsen landesweit der Fall. Ab 20 gelten Stufen 2 und 3, also erhöht und stark, bei denen weitere Kontaktbeschränkungen und Restriktionen für private wie öffentliche Veranstaltungen geprüft werden könnten. "Bei einem sehr starken oder sogar eskalierenden Infektionsgeschehen der Stufen 4 und 5, ab 50 Infizierte je 100.000 Einwohnern in sieben Tagen, könnten dann gegebenenfalls zusätzlich örtliche, regionale oder im Extremfall landesweite Einschränkungen ergriffen werden."

Situationen werden im Einzelfall betrachtet

Nicht eine bestimmte Inzidenz werde aber automatisch eine neue Vorgabe auslösen. Die jeweilige Situation müsse im Einzelfall betrachtet werden und dabei biete das neue Konzept genaue Orientierung. "Die Empfehlung ist so schonend wie möglich", sagte Reimann. Also nicht den ganzen riesigen Landkreis mit entsprechenden Auflagen zu versehen, "sondern da, wo der Herd ist, gezielt die Maßnahmen zu ergreifen."

"Müssen uns für kalte Jahreszeit wappnen"

Bisher ist die Zahl der mit Corona infizierten Menschen hierzulande laut Gesundheitsministerin Reimann noch moderat. Hotspots seien nach kurzer Zeit eingedämmt worden. Dennoch mahnte sie: "Auch, wenn es aufgrund dieser Strategie und der aktiven Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen bislang gelungen ist, einen erneuten, sehr starken Anstieg der Infektionen wie im Frühjahr zu vermeiden, müssen wir uns für die nasse und kalte Jahreszeit wappnen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.10.2020 | 16:00 Uhr

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