Stand: 17.06.2020 17:06 Uhr

Corona-Hilfen-Betrug: Schrotthändler verdächtigt

Es sind beispiellos hohe Finanzhilfen, die der Staat seit Monaten ausschüttet, um die heimische Wirtschaft vor einem Corona-Kollaps zu bewahren. Von den Soforthilfen profitieren unter anderem Kleinunternehmer. Sie können bis zu 9.000 Euro beantragen, um laufende Kosten - etwa die Miete - zu zahlen. Wie das Justizministerium am Mittwoch mitteilte, haben aber auch zahlreiche Betrüger die Gelder beantragt und damit einen Schaden in Millionenhöhe verursacht. Zwischen März und Juni hat Niedersachsen laut Wirtschaftsministerium Soforthilfen in Höhe von mehr als 825 Millionen Euro an Unternehmen und Selbstständige ausgezahlt.

NBank meldet verdächtige Anträge

Seit Anfang Juni führten die Staatsanwaltschaften landesweit fast 360 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betrugs mit Corona-Soforthilfen, so das Justizministerium. Bisher sei ein Schaden von insgesamt rund 2,9 Millionen Euro entstanden. Ausgangspunkt der Ermittlungen seien oft Verdachtsmeldungen der NBank gewesen. Diese zahlt die Gelder aus. Die Bank hatte demnach die Ermittler informiert, weil sich in den Anträgen Hinweise auf vorsätzliche Falschangaben fanden.

Anträge waren nahezu identisch

Verdächtige Anträge haben am Mittwoch auch zu mehr als 20 Durchsuchungen bei Schrotthändlern in Stadt und Region Hannover geführt. Polizei und Staatsanwaltschaft werfen dort 49 Menschen Betrug bei den Corona-Soforthilfen vor, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Die Beschuldigten kennen sich offenbar untereinander. Es handele sich um Verwandte und Bekannte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Oliver Eisenhauer. Sie hatten sich nach Erkenntnissen der Ermittler wahrscheinlich abgesprochen. Genau das dürfte den Verdächtigen zum Verhängnis geworden sein, denn ihre Anträge auf Soforthilfen waren nach Angaben des Sprechers nahezu identisch. Durch Daten- und Kontenabgleiche seien ihnen die Behörden dann auf die Spur gekommen.

Schaden zwischen 300.000 und 400.000 Euro

Die Schrotthändler hätten in den Anträgen Gelder für nicht existierende Betriebe sowie für nicht bestehende Miet- und Leasingkosten angegeben, heißt es. Der Gesamtschaden belaufe sich auf eine Summe zwischen 300.000 und 400.000 Euro. Die Ermittler durchsuchten Häuser und Wohnungen unter anderem in Hannover, Pattensen, Barsinghausen und Ronnenberg. Dabei wurden Unterlagen, rund 30.000 Euro Bargeld und ein Auto sichergestellt. Festgenommen wurde niemand.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 17.06.2020 | 17:00 Uhr

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