Einsatzkräfte der Polizei begleiten einen Zug, der sechs Castor-Behälter transportiert. © dpa-Bildfunk Foto: Arne Dedert

Castortransport löst neuen Streit um Atomkraft aus

Stand: 04.11.2020 13:55 Uhr

Der jüngste Castortransport zum Zwischenlager Biblis in Hessen hat in Niedersachsen für neuen Streit über die Atomkraft gesorgt.

Die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad und die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg kritisierten am Mittwoch Äußerungen des niedersächsischen Umweltministers Olaf Lies (SPD) zu den Protesten gegen den Transport.

Umweltminister reagiert mit Unverständnis

Lies hatte gegenüber der "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) mit Unverständnis auf die Proteste von Atomkraftgegnern reagiert: "Warum gibt es überhaupt noch Proteste gegen etwas, was am Ende Gott sei Dank entschieden ist - nämlich das Ende der Atomkraft in Deutschland?"

Lies: "Ideologische Kämpfe sinnlos"

Lies machte gegenüber der Zeitung noch einmal deutlich, dass die Bundesrepublik "völkerrechtlich verpflichtet sei, den Atommüll wieder zurückzunehmen". Er ärgere sich deshalb über die Tatsache, "dass derartige Transporte immer noch Demonstrationen auslösen und man deswegen derart viele Polizisten einsetzen muss, um die Castoren sicher ins Zwischenlager zu begleiten", sagte Lies: "Wir haben doch im jahrzehntelangen Streit um die Kernkraft wirklich etwas erreicht, da macht es doch keinen Sinn, die alten ideologischen Kämpfe wieder aufleben zu lassen."

"Hochriskanter Transport"

Die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad reagierte mit einem Offenen Brief auf die Minister-Schelte: Auch ohne Proteste sei ein hoher polizeilicher Aufwand nötig, "weil ein Castor-Transport per se hochriskant und gefährlich ist". Die Aussage, es ergebe keinen Sinn, die alten ideologischen Kämpfe wieder aufleben zu lassen, habe die Arbeitsgemeinschaft "mit großem Befremden" zur Kenntnis genommen. Die Geschehnisse unter anderem um die Asse, Schacht Konrad oder die Brennelementefabrik in Lingen zeigten "gerade in Niedersachsen jede Menge akute Probleme, für die wir verantwortungsvolle Lösungen einfordern", heißt es in dem Schreiben.

Bürgerinitiative: "Minister soll Hausaufgaben machen"

Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg erklärte, Lies solle "seine Hausaufgaben machen, statt die Atomkraftgegner, die sich mit guten Argumenten gegen den Atommüll-Tourismus zur Wehr setzen, zu diskreditieren". In Niedersachsen werde immer noch Atommüll produziert.

Transport in Biblis angekommen

Der Castortransport von der britischen Wiederaufarbeitungsanlage hatte am Mittwoch Biblis erreicht. Die sechs Behälter mit hochradioaktivem Atommüll waren zunächst mit einem Schiff bis Nordenham gefahren und von dort per Zug weiter transportiert worden.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.11.2020 | 14:00 Uhr

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