Stand: 28.11.2018 14:46 Uhr

Behandeln aus der Ferne: Ärztekammer stimmt zu

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Auch ohne vorherigen Besuch in der Praxis können Patienten künftig per Telefon oder Chat behandelt werden.

Patienten können sich ab dem 1. Dezember ausschließlich via Telefon, SMS, E-Mail oder Online-Chat von ihrem Arzt behandeln lassen. Bislang war dies erst nach einem vorangegangenen Besuch in der Praxis möglich. Nach Angaben der Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Martina Wenker, hat die Kammerversammlung der Regelung "mit großer Mehrheit" zugestimmt. Damit setzt Niedersachsen einen Beschluss des Deutschen Ärztetages um. Über das Thema Fernbehandlung wird auch auf dem niedersächsischen Digitalgipfel Gesundheit beraten, zu dem die Ärztekammer Niedersachsen und die Hochschule Hannover eingeladen hatten. Mediziner, Politiker und Wirtschaftsvertreter tauschen sich unter anderem darüber aus, wie die Fernbehandlung umgesetzt und wie der Datenschutz dabei gehandhabt werden kann.

Arzt-Patienten-Kontakt bleibt der "Goldstandard"

Ärztekammer-Präsidentin Wenker betonte, dass auch in Zukunft der Kontakt zwischen Arzt und Patient der "Goldstandard der ärztlichen Behandlung" bleiben solle. Dafür könne die ausschließliche Fernbehandlung niemals ein Ersatz sein, nur eine Ergänzung. Die neue Reglung sei "umsichtig erarbeitet" worden, so Wenker. Sie entspreche dem Wunsch vieler Patienten nach mehr Autonomie und der Wahrung der erforderlichen ärztlichen Sorgfalt.

Wenn das Googeln von Wehwehchen krank macht

Außerdem geht es auf dem Digitalgipfel Gesundheit um das Phänomen der "Cyberchondrie". Die Bezeichnung ist eine Kombination aus den Worten Cyber (für den digitalen Raum des Internets) und Hypochondrie, die ausgeprägte Angst, an einer ernsthaften Erkrankung zu leiden. Manche Menschen, die ihre Wehwehchen im Internet googeln, können dadurch zum Hypochonder werden. Denn Suchmaschinen können Ängste verstärken. So kann beispielsweise das Googeln nach dem Begriff Kopfschmerzen schnell zu Internetseiten mit dem Thema Hirntumor führen.

Gesundheitsministerin und Ärztekammer-Präsidentin sprechen auf Gipfel

Neben der Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen und verschiedenen Professoren der Hochschule Hannover sprechen auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) sowie Josef Mischo, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer, auf dem Gipfel.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.11.2018 | 15:00 Uhr

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