Stand: 21.05.2019 21:06 Uhr

Bahlsen kooperierte wohl auch mit der SS

Das Stammhaus in Hannover. © © NDR/doc.station GmbH
Neue Details zur Vergangenheit des hannoverschen Keksherstellers Bahlsen legen eine Zusammenarbeit mit der SS nahe. (Themenbild)

Die Keks-Firma Bahlsen aus Hannover hat während des Zweiten Weltkriegs offenbar weit mehr Fremdarbeiter beschäftigt, als bisher bekannt war. Während jüngst von 200 Polinnen und Ukrainerinnen die Rede war, gehen Historiker davon aus, dass Bahlsen rund 2.500 Menschen aus Osteuropa für sich arbeiten ließ. Das berichtet die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ). Zudem sei das hannoversche Unternehmen damals offenbar eng mit der SS (Schutzstaffel) verstrickt gewesen. Das legen offenbar Dokumente nahe, die der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegen.

Fruchtschnitten mit Aufputschmittel?

Nach einem internen Schreiben der SS soll sogar Reichsführer-SS Heinrich Himmler über die Zusammenarbeit informiert gewesen sein, schreibt das Blatt. Demnach habe Hans Bahlsen, der Bruder von Werner Bahlsen, mit der SS darüber verhandelt, eine Fruchtpaste für "angestrengte Soldaten" zu produzieren. Nach Plänen der SS sollte diese mit "einer genau errechneten Menge von Funktional Tropfen" vermischt sein. Dabei handelt es sich offenbar um ein Aufputschmittel. Der HAZ zufolge sei mit Hans Bahlsen damals besprochen worden, dass die Kochversuche in Hannover stattfinden sollten. Ob die Paste produziert wurde und zum Einsatz kam, sei unklar, heißt es.

Fremdarbeiter mit falschen Versprechungen angelockt

Auch über den Umgang mit den Fremdarbeitern kommen neue Details ans Licht. Werner Bahlsen habe sich zwar um den Zustand der Arbeiterinnen gesorgt - allerdings wohl nicht aus humanitären Gründen. Wie die HAZ schreibt, ging es dem damaligen Firmenchef offenbar darum, passiven Widerstand der Fremdarbeiter in seinen Werken in Hannover und Kiew (Ukraine) zu verhindern. Tatsächlich erhielten die Fremdarbeiterinnen offenbar "Abfallblätter vom Gemüse". Dies habe vor allem die Ukrainerinnen enttäuscht, denen von der NS-Propaganda Versprechungen gemacht worden waren, dass sie in Deutschland genauso bezahlt und behandelt werden würden wie die deutschen Arbeiter.

Enkelin sorgt für Debatte über Firmengeschichte

Seine Enkelin Verena Bahlsen hatte jüngst behauptet, dass die Fremdarbeiter während des Zweiten Weltkrieges bei Bahlsen gut behandelt worden seien. Damit hatte die Firmenerbin viel Kritik ausgelöst.

Weitere Informationen
Werner Michael Bahlsen, der Konzernchef des Backwarenunternehmens Bahlsen. © dpa Foto: Peter Steffen

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Der Gebäck-Hersteller Bahlsen aus Hannover will die Rolle von Zwangsarbeitern im Unternehmen während des Zweiten Weltkriegs aufarbeiten lassen. Bahlsen reagiert damit auf Kritik. (19.05.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 22.05.2019 | 07:30 Uhr

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