Stand: 20.05.2019 12:43 Uhr

Angriff auf Haus eines jüdischen Ehepaares

Auf die Haustür wurde mit roter Farbe das Wort "Jude" aufgesprüht.

Nach einem Brandanschlag auf das Haus eines jüdischen Ehepaars in Hemmingen (Region Hannover) haben die Ermittler noch keine Hinweise auf die Täter. Laut Staatsanwaltschaft hatten Unbekannte in der Nacht zu Sonnabend vor der Haustür des Paares im Stadtteil Westerfeld ein Feuer gelegt. Zudem wurde auf das Gebäude mit roter Farbe das Wort "Jude" aufgesprüht. Auch das Eingangstor zu einem nahe gelegenen Schrebergarten des Paares wurde mit dem Schriftzug beschmiert.

Ermittlungen wegen schwerer Brandstiftung

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen versuchter schwerer Brandstiftung, teilten die Behörden mit. Auch der Staatsschutz sei involviert. "Wir nehmen den Fall sehr ernst", sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Die Hintergründe der Tat seien unklar.

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Angriff in der Nacht

Bereits am Wochenende befragten die Ermittler nach eigenen Angaben etwa 60 Anwohner. Zudem wurden Handzettel in der Nachbarschaft verteilt. Darin hieß es, dass "augenscheinlich aus antisemitischen Gründen" versucht worden sei, dass Wohngebäude eines Nachbarn in Brand zu setzen. Die Polizei sucht weiter Zeugen: Hinweise werden unter der Telefonnummer (0511) 109 55 55 entgegengenommen.

"Neue Dimension des Antisemitismus"

Rebecca Seidler von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover verurteilte den Angriff. Dieser sei eine "neue Dimension des Antisemitismus", wie Seidler NDR 1 Niedersachsen sagte. Es sei leider nichts Ungewöhnliches, dass jüdische Funktionäre und Institutionen bedroht würden, sagte Seidler. Doch dieser Anschlag habe ein Ehepaar getroffen, das aufgrund seines Alters in der jüdischen Gemeinde nicht mehr aktiv sein könne. Die betroffenen Eheleute, beide sind über 80 Jahre alt, seien erschrocken und sprachlos. Seidler hat nach eigenen Angaben den Zentralrat der Juden in Deutschland über den Angriff in Kenntnis gesetzt.

Reaktionen auf Angriff

CDU und SPD verurteilten den Angriff. Die Meldungen zum "beschämenden antisemitischen Übergriff" machten ihn "zutiefst betroffen", sagte Deniz Kurku von der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dirk Toepffer sprach von einem "feigen Angriff auf uns alle und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung."

Fast 100 antisemitische Straftaten im Jahr 2018

In Niedersachsen war die Zahl der antisemitischen Straftaten im vergangenen Jahr nach Angaben des Innenministeriums von 128 auf 99 gesunken. Bundesweit hatte ihre Zahl dagegen im Vergleich zum Vorjahr um 9,4 Prozent zugenommen. Demnach wurden 2018 bundesweit 1.644 antisemitische Straftaten erfasst.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 20.05.2019 | 13:30 Uhr

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