Stand: 08.11.2015 16:07 Uhr  | Archiv

Winterkorns Ehrgeiz als Auslöser für CO2-Betrug?

Martin Winterkorn © imago/DeFodi
2012 versprach Winterkorn, die Abgaswerte deutlich zu senken. Löste er damit die groß angelegte Fälschungsaktion aus? (Archiv)

Volkswagen-Ingenieure haben den neuerlichen Skandal um geschönte Sprit- und CO2-Werte bei VW selbst ins Rollen gebracht. Das hat der Konzern am Sonntag auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen bestätigt. Bei der Ermittlung von Verbrauchswerten hätten Mitarbeiter Unregelmäßigkeiten festgestellt, so ein VW-Sprecher. Mehr wollte er mit Hinweis auf die noch laufenden Untersuchungen aber nicht sagen. Nach Information der "Bild am Sonntag" hat ein Ingenieur der Abteilung Forschung und Entwicklung in Wolfsburg seinen direkten Vorgesetzten über die groß angelegte Fälschung der CO2-Werte unterrichtet. Außerdem lägen der Konzernrevision Geständnisse weiterer Mitarbeiter vor, berichtet das Blatt. Demnach hatten die Fachleute im Jahr 2013 damit angefangen, Sprit- und CO2-Werte Hunderttausender VW-Modelle zu schönen. Unter anderem hätten die Techniker bei den zu prüfenden Autos den Reifendruck auf mehr als 3,5 bar erhöht oder Diesel ins Motoröl gemischt, damit der geprüfte Wagen leichter läuft und weniger Sprit verbraucht.

Versprechen Winterkorns als Auslöser

Am vergangenen Dienstag hatte VW zugegeben, dass rund 800.000 Wagen mehr Kohlendioxid ausstoßen als angegeben. Laut Zeitung lief die Trickserei bis zum Frühjahr dieses Jahres. Ausgelöst wurde sie offenbar durch eine Aussage des inzwischen zurückgetretenen VW-Chefs Martin Winterkorn. Im Jahr 2012 hatte der beim Autosalon in Genf angekündigt, dass der Konzern den CO2-Ausstoß seiner Autos bis 2015 um ein Drittel senken werde. Bei Befragungen hätten mehrere Ingenieure ausgesagt, dieses ehrgeizige Ziel sei mit legalen Mitteln nicht zu erreichen gewesen, berichtet die "Bild am Sonntag". Ob - und wenn ja welche - Mitarbeiter beurlaubt werden, werde derzeit noch geprüft. Der Techniker, der ausgepackt hat, dürfe aber offenbar bleiben, so das Blatt: Die Konzern-Spitze wolle niemanden bestrafen, der einen so mutigen Schritt gemacht habe. Obwohl der Ingenieur und seine Kollegen den Betrug zunächst mit ihrer Arbeit unterstützt haben - weil sie sich offenbar nicht getraut hätten, Winterkorn mit den unlösbaren Schwierigkeiten der Umsetzung seines Versprechens zu konfrontieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.11.2015 | 12:00 Uhr

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