Stand: 24.09.2020 20:51 Uhr

Winterkorn auch wegen Marktmanipulation angeklagt

Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, kommt als Zeuge zur Sitzung des Abgas-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages in Berlin. © dpa - Bildfunk Foto: Bernd von Jutrczenka
Ex-VW-Chef Martin Winterkorn erwartet wegen des Dieselskandals ein weiterer Prozess (Archivbild).

Der frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn muss sich wegen des Dieselskandals nicht nur wegen Betrugsverdacht vor Gericht verantworten, sondern auch wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation. Das teilte die zuständige Kammer des Landgerichts Braunschweig am Donnerstag mit. Damit muss sich der 73-Jährige nun in einem zweiten, parallelen Strafverfahren verantworten. Erst vor gut zwei Wochen hatte das Landgericht Braunschweig die Anklage gegen ihn wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs zugelassen.

Bis zu fünf Jahre Haft drohen

In dem nun zugelassenen zweiten Verfahren geht es um den Verdacht der Marktmanipulation. Winterkorn soll die Aktionäre nicht rechtzeitig informiert haben, nachdem er von den Abgasmanipulationen in Dieselfahrzeugen erfahren hatte. Dazu wäre er aber nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) verpflichtet gewesen. Die entsprechende Anklage der Braunschweiger Staatsanwaltschaft ließ das Landgericht unverändert zur Hauptverhandlung zu. Sollte Winterkorn verurteilt werden, droht ihm eine Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet.

Winterkorn weist Vorwurf zurück

Der Ex-VW-Konzernchef ließ den Vorwurf der Marktmanipulation über seinen Anwalt zurückweisen. Eine Unterlassung der nötigen "Ad-hoc-Meldung der Volkswagen AG zum Zwecke der Beeinflussung des Börsenpreises der Aktie" im Jahr 2015 habe er sich nicht zu Schulden kommen lassen, hieß es.

Verfahren gegen Diess und Pötsch eingestellt

Wegen Marktmanipulation hatte die Staatsanwaltschaft vor einem Jahrauch Anklage gegen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sowie den derzeitigen Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess erhoben. Gegen Geldzahlungen von jeweils 4,5 Millionen Euro wurde beide Verfahren eingestellt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.09.2020 | 14:00 Uhr

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