Stand: 03.07.2019 21:14 Uhr

Tod in Altkleider-Container - Fall erledigt?

Nach dem Tod eines 43-Jährigen aus Braunschweig, der in einem Altkleider-Container eingeklemmt war, wird die Staatsanwaltschaft keine Obduktion anordnen. Das sagte eine Sprecherin NDR.de. Der Mann war am vergangenen Donnerstag in den Container geklettert, weil er offenbar nach seinem Schlüsselbund suchte, den er zuvor wohl versehentlich mit in den Container geworfen hatte. Bei dem Versuch, den Schlüssel aus dem Container zu holen, verletzte er sich schwer. Einen Tag später erlag er seinen Verletzungen in einem Krankenhaus.

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Keine Hinweise auf Fremdverschulden

Der Mann starb laut Staatsanwaltschaft an tödlichen Hirnverletzungen. Als Todesursache wurde eine "hypoxische Encephalopathie mit globalem Hirnödem" (Sauerstoffmangelversorgung des gesamten Gehirns, d. Red.) festgestellt. Es gebe keine weiteren Erkenntnisse oder Hinweise auf ein Fremdverschulden. Alkohol oder Drogen seien laut Polizei wohl auch nicht im Spiel gewesen. Nach Angaben der Feuerwehr war der Mann mit dem gesamten Oberkörper und einem Bein in etwa 1,50 Meter Höhe eingeklemmt. Er wurde zwar mit einer Rettungsschere befreit und anschließend wiederbelebt, doch es war zu spät. Bleibt die Frage, ob der Container defekt war oder Mängel aufgewiesen hat.

Mutmaßungen von der Staatsanwaltschaft

Das Exemplar war nach Angaben der Polizei direkt nach dem Vorfall von der Betreiberfirma Alba selbst abgeholt worden. Ein übliches Vorgehen? Die Polizei verweist auf die Staatsanwaltschaft. Dort wird gemutmaßt. "Der Container ist von der Polizei vermutlich deshalb nicht beschlagnahmt worden, da die Beamten vor Ort keine Hinweise auf ein Verschulden der Betreiberfirma festgestellt haben. Der Verstorbene ist nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen auf eigenes Betreiben in den Container durch eine nicht zum Einsteigen vorgesehene und nicht geeignete Öffnung geklettert", so die Sprecherin.

Untersuchung ergibt "keine Auffälligkeiten"

Untersucht wurde der Container dann aber doch noch: Am Montag, also vier Tage nach dem Vorfall am Donnerstagabend. Kriminalbeamten entdeckten an dem Exemplar laut Staatsanwaltschaft keine technischen Auffälligkeiten. Die Stadt Braunschweig, zuständig für die Genehmigung der aufgestellten Container im Stadtgebiet, will das Thema Sicherheit nun bei dem Unternehmen ansprechen, das die Container betreibt. Das kündigte ein Sprecher an. Derzeit gebe es allerdings ausdrücklich keine Erkenntnisse oder Hinweise auf Mängel.

"Zu keiner Zeit Abweichungen"

Der Container, der dem 43-Jährigen zum Verhängnis geworden ist, steht derzeit auf dem Firmengelände von Alba. Das Unternehmen antwortete auf eine Anfrage von NDR.de: "Unser Dienstleister hat uns versichert, dass er bei Anlieferung der Container eine Prüfung der geltenden Qualitätskriterien durchführt und es zu keiner Zeit zu Abweichungen kam." Dieser Dienstleister ist die Firma TorunTex aus Salzgitter. Das Unternehmen sagte der Staatsanwaltschaft, ihre Container würden wöchentlich von Angestellten überprüft.

300 Container im Stadtgebiet

Insgesamt stehen nach NDR Informationen mehr als 300 der Container im Stadtgebiet von Braunschweig. Einer der großen Hersteller von Containern im Norden ist die Firma Jo-Ba aus Bremen. Der Geschäftsführer betont, dass das Modell aus Braunschweig nicht aus seinem Hause kam. Er erklärt, wie die Kontrolle der Container abläuft. "Der TÜV ist einmal im Jahr zur Produktionsbesichtigung da, zur freiwilligen GS-Prüfung. Dazu haben wir noch ein Ingenieurbüro beauftragt, um die verpflichtende CE-Kennzeichnung zu bekommen." Erst sei der Hersteller in der Pflicht - anschließend der Aufsteller.

Bald schmalere Bauweise?

Der Fall aus Braunschweig gebe ihm zu denken - gerade, weil es nicht der erste Vorfall dieser Art ist. "Es gab schon ähnliche Geschichten in Hannover und im Emsland", sagte er. Nach dem ersten Todesfall seien die zum Teil mehrsprachigen Warnschilder entwickelt worden. Nun, so der Geschäftsführer, sei es vielleicht an der Zeit, über weitere Alternativen nachzudenken. "Vielleicht ist es besser, den Einwurf zu verkleinern, also die Container schmaler zu bauen. Dann ist ein Einstieg zukünftig gar nicht mehr möglich", sagte er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.07.2019 | 08:00 Uhr

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