Stand: 24.01.2018 14:32 Uhr

Stadt Wolfsburg will "Schutzranzen" stoppen

Nach heftiger der Kritik von Datenschützern hat die Stadt Wolfsburg empfohlen, das geplante Pilotprojekt "Schutzranzen" an zwei Wolfsburger Grundschulen vorerst nicht starten zu lassen. Bei dem Projekt sollten Grundschüler mit einem GPS-Tracker, also einem Peilsender, ausgestattet werden. Mit diesem sollten Eltern ihre Kinder jederzeit orten können und zudem Autofahrer per Navigations-App gewarnt werden, wenn Kind und Auto sich zu nahe kommen. Während die Stadt vor zwei Tagen noch voll hinter dem Projekt stand, ließ sie nun mitteilen, dass es noch "Klärungs- und Kommunikationsbedarf" gebe. Deshalb sollten alle Beteiligten das Projekt erst mal aussetzen, so ein Sprecher.

Datensicherheit soll geprüft werden

Grund für den plötzlichen Sinneswandel sind offenbar Datenschutzbedenken. Die Landesdatenschutzbeaufragte Barbara Thiel hat Kontakt mit dem Entwickler der Peilsender-Software aufgenommen. Sie will das Programm genauer überprüfen lassen. Wie ein Sprecher gegenüber NDR.de sagte, stört sie sich vor allem daran, dass bei einer Nutzung der App die Daten nicht komplett anonym übertragen werden. Die Behörde sei durch Presseberichte auf die Problematik aufmerksam geworden. Eine Beteiligung an der Entwicklung von derartigen Programmen oder Vorabgenehmigungen seien nicht vorgesehen, so der Sprecher.

Rückschlüsse auf Position der Kinder möglich

Die Peilsender sollten nach der Idee der Initiatoren, zu denen unter anderem die Stadt Wolfsburg und der Autobauer VW gehören, der Sicherheit der Schüler dienen. Die Positionsdaten der Kinder sollten künftig über die Navigationsgeräte auch Autofahrer rechtzeitig auf mögliche Gefahrensituationen hinweisen. Dabei wird allerdings die IP-Adresse des jeweiligen Smartphones mit übertragen.

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"Digitalcourage" gegen Überwachung

Der Verein "Digitalcourage", der sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten einsetzt, hat in einem offenen Brief die sofortige Einstellung des Projektes gefordert. Die Datenschützer beklagen, dass die Bewegungsdaten der Kinder in eine unsichere Cloud gehen würden und möglicherweise Unternehmen wie Facebook, Microsoft und Amazon darauf zugreifen könnten. Überwachung sei definitiv der falsche Weg, um für mehr Sicherheit im Straßenverkehr zu sorgen. Stattdessen sollten lieber Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt und die Städte fahrrad- und fußgängerfreundlicher gestaltet werden. Unterstützer können den offenen Brief im Internet unterzeichnen.

Ablehnung auch von der Deutschen Kinderhilfe

Auch die Deutsche Kinderhilfe lehnt das Projekt strikt ab. "Nicht alles was geht, ist auch sinnvoll", sagte der Vorstandsvorsitzende Rainer Becker. Seiner Organisation erschließe sich nicht, warum Kinder ohne jeden konkreten Anlass von ihren Eltern überwacht werden sollen. In Notfällen könne schließlich die Polizei ein Mobiltelefon jederzeit orten. Auch der Aspekt der größeren Verkehrssicherheit überzeugt ihn nicht - im Gegenteil. "Hinweise des Navis auf 'Kinder in der Nähe' dürften vor allem zu den Stoßzeiten vor größeren Schulen eher zu einer Reizüberflutung der Autofahrer und somit einer Erhöhung des Unfallrisikos führen.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 24.01.2018 | 07:30 Uhr

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