Stand: 03.08.2020 12:19 Uhr

Randale vor Corona-Hochhaus: Polizei zieht Bilanz

Polizisten stehen vor einem Haus.
Polizisten wurden im Juni an dem Göttinger Hochhauskomplex von unter Quarantäne stehenden Bewohnern attackiert. (Archivbild)

Sechs Wochen nach den Ausschreitungen an einem unter Quarantäne stehenden Hochhaus in Göttingen hat eine Sonderkommission der Polizei eine Bilanz des Einsatzes vorgelegt. Demnach wurden bei den Auseinandersetzungen elf Polizisten unter anderem mit Pflastersteinen und Metallstangen verletzt. Drei von ihnen waren daraufhin dienstunfähig. Die Beamten ermitteln gegen insgesamt 36 Verdächtige, von denen den Angaben zufolge 25 eindeutig identifiziert werden konnten.

Ermittlungen wegen zahlreicher Delikte

Bislang wurden zwölf Ermittlungsverfahren eingeleitet. Den Beschuldigten werden unter anderem schwerer Landfriedensbruch, versuchte schwere Brandstiftung, tätlicher Angriff auf Polizeibeamte, gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Zudem gab es den Angaben zufolge einen Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz.

Wut über Quarantäne eskaliert

Auslöser für die massiven Ausschreitungen am 20. und 21. Juni an dem Hochhaus an der Groner Landstraße war die von der Stadt Göttingen verhängte Quarantäne für alle rund 600 Bewohner des Komplexes wegen eines Coronavirus-Ausbruchs. Rund 120 Bewohner hatten sich in der Zeit nachweislich mit dem Virus infiziert. Die Wut angesichts der Maßnahmen eskalierte daraufhin hinter den Absperrungen.

Mehrere Durchsuchungen und Festnahmen

Im Zuge der Ermittlungen waren vier Wohnungen durchsucht worden. Dabei wurden laut Polizei Beweismittel wie Wurfgegenstände und elektronische Datenträger sichergestellt. Drei Tatverdächtige wurden wegen Fluchtgefahr vorläufig festgenommen. Der Präsident der Polizeidirektion Göttingen, Uwe Lührig, betonte, dass angesichts des Ausmaßes an festgestellten Straftaten weiterhin intensiv ermittelt werde. Die überwiegende Mehrheit der Bewohner des Hochhauskomplexes habe sich jedoch zurückhaltend und kooperativ verhalten.

Polizeipräsident kritisiert Demonstranten

Kritik übt der Polizeipräsident an einigen Personen, die zeitgleich auf der anderen Straßenseite unter dem Motto "Gegen den Mietenwahnsinn" demonstrierten. Sie hätten Beifall geklatscht, als die Einsatzkräfte beworfen und verletzt wurden. Diese Vorkommnisse seien nicht zu akzeptieren und würden einer gesonderten rechtlichen Prüfung unterzogen.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.08.2020 | 12:00 Uhr

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