Nach tödlichem Unfall: Wohnung von Kranführer durchsucht

Stand: 18.06.2021 18:57 Uhr

Nach dem tödlichen Kran-Unfall in Göttingen hat die Staatsanwaltschaft die Wohn- und Geschäftsräume des Kranführers im Sauerland durchsuchen lassen.

Ziel sei gewesen, Beweismittel oder Unterlagen zu finden, die Hinweise auf weitere Zeugen auf der Baustelle geben könnten, sagte ein Sprecher der Göttinger Staatsanwaltschaft. Am Wochenende war ein Bauarbeiter im Stadtteil Esebeck ums Leben gekommen und ein weiterer schwer verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seitdem wegen fahrlässiger Tötung und hatte sogar vermutet, dass der umgestürzte Kran manipuliert worden sein könnte. Ein Gutachter untersuchte die Unfallstelle daraufhin und kam zu einem anderen Ergebnis. Er habe entdeckt, dass eine Stellschraube an der Überlastsicherung abgebrochen war, sagte Staatsanwalt Mohamed Bou Sleiman am Donnerstag.

Kran war für das Gewicht nicht zugelassen

Am Sonnabend vergangener Woche war der Baukran auf einen Rohbau gestürzt, in dem die beiden Männer gearbeitet hatten. Der Kran durchschlug die Decke des Rohbaus, die Männer fielen in die Tiefe und wurden unter Betonteilen begraben. Der Kranführer hätte den Kran mit diesem Defekt jedoch gar nicht bedienen dürfen, sagte der Staatsanwalt. Unklar ist, ob er den Kran nicht - wie vorgeschrieben - vor dem Einsatz auf Defekte überprüft hat, oder ob er die abgebrochene Schraube übersehen hat. Hinzu kommt, dass der Kran ohnehin nicht für das 2,2 Tonnen schwere Gewicht zugelassen gewesen sei, sondern nur für 1,5 Tonnen. Der Kranführer soll außerdem versucht haben, das Gewicht zu weit vorne am Ausleger hochzuziehen, was sich ungünstig auf den Schwerpunkt ausgewirkt habe.

Zweiter Arbeiter in künstliches Koma versetzt

Bei dem Toten handelt sich um einen Bauarbeiter aus Südosteuropa. Die Staatsanwaltschaft hat die Obduktion des Unglücksopfers in die Wege geleitet. Dies hatte Sprecher Andreas Buick am Montag mitgeteilt. Gegen den 42 Jahre alten Kran-Führer werde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Bei dem Unglück war ein zweiter Arbeiter schwer verletzt worden. Sein Zustand sei kritisch, so die Polizei. Der 40-jährige Mann sei nach einer Notoperation in ein künstliches Koma versetzt worden. Er war nach dem Unfall mit schwerem Gerät aus den Trümmern geborgen worden.

Weitere Informationen
Ein umgestürzter Baukran liegt auf einer Straße. © TeleNewsNetwork

Kran-Unfall in Göttingen: Identität des Toten geklärt

Die Ermittlungen laufen derweil weiter. Die Staatsanwaltschaft vermutet eine Manipulation an einer Feststellbremse. (15.06.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 18.06.2021 | 15:00 Uhr

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