Stand: 05.06.2020 21:12 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

"Maddie": Hinweise reichen noch nicht für Anklage

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Der Verdächtige sitzt derzeit in Kiel eine alte Freiheitsstrafe ab (Archiv).

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig und das Bundeskriminalamt (BKA) gehen weiter neuen Spuren im Vermisstenfall "Maddie" nach. Ein entscheidender Hinweis gegen den Hauptverdächtigen, einen 43 Jahre alten Mann, der zuletzt in der Region Braunschweig gemeldet war, liege aber noch nicht vor. "Für einen Haftbefehl oder eine Anklage reicht es noch nicht aus", sagte Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Freitag.

Längst nicht abgeschlossen: Der Fall "Maddie"

Hallo Niedersachsen -

Vor 13 Jahren verschwand die dreijährige "Maddie" McCann. Verdächtigt wird nun ein 43-jähriger Mann, der bereits in Haft sitzt. Er könnte auch für einen weiteren Fall verantwortlich sein.

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Weitere Ermittlungen in Stendal

Am Mittwoch hatten BKA und Staatsanwaltschaft Braunschweig bekannt gegeben, dass sie in dem Fall Madeleine McCann wegen Mordverdachts ermitteln. Der 43-Jährige steht im Verdacht, die im Jahr 2007 aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwundene Dreijährige ermordet zu haben. Darüber hinaus prüft die Staatsanwaltschaft Stendal, ob der Verdächtige auch für das Verschwinden der fünfjährigen Inga im Jahr 2015 verantwortlich sein könnte. Weitere Details wurden nicht genannt. Die Ermittlungen liefen, hieß es.

Sechsjähriger aus dem Raum Köln verschwand 1996 in Portugal

Auch zu einem Fall aus dem Jahr 1996 könnte es womöglich eine Verbindung geben: Wie der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet, geht das BKA Hinweisen nach, wonach der Mordverdächtige auch für die Entführung des damals sechsjährigen René aus Elsdorf (Nordrhein-Westfalen) in einem portugiesischen Badeort, etwa 40 Kilometer von Praia da Luz entfernt, verantwortlich sein könnte.

Bisher keine Stellungnahme der Strafverteidiger

Die Anwälte des 43-Jährigen lehnten eine Stellungnahme ab. Wann damit zu rechnen sei, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, teilte der Bielefelder Strafverteidiger Jan-Christian Hochmann am Freitag mit. Gemeinsam mit seinem Kollegen David Volke vertritt er den Mordverdächtigen.

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Verdächtiger lebte an der Algarve

Der Verdächtige sitzt noch wegen einer anderen Straftat derzeit in Haft. Er lebte zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve in Portugal - einige Jahre davon in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. Den letzten deutschen Wohnsitz vor seinen Auslandsaufenthalten hatte er in der Region Braunschweig. Daher führt die dortige Behörde die Ermittlungen.

Anwalt der McCanns spricht von "Hoffungsschimmer"

Der Anwalt der Familie McCann, Rogério Alves, hat die Ermittlungen unterdessen als "Hoffnungsschimmer" bezeichnet. Die neue Spur erscheine ihm solider als frühere. Zur Vermutung der Staatsanwaltschaft Braunschweig, dass Maddie nicht mehr am Leben sei, sagte Alves: "Das ist eine Möglichkeit." Er glaube jedoch nicht, dass die deutsche Staatsanwaltschaft Beweise dafür habe. 

Fahnder gehen von Tötungsdelikt aus

Die Fahnder gehen davon aus, dass der mutmaßliche Mörder von "Maddie" die Dreijährige am 3. Mai 2007 aus der Ferienanlage entführt und später getötet hat. An dem Tag soll er unter anderem zu "tatrelevanter" Zeit in Praia da Luz - in unmittelbarer Nähe des Tatorts mit dem Handy telefoniert haben. 2013 und 2017 sollen zwei Hinweise auf den Mann bei der Polizei eingegangen sein, sagte der leitende Kriminaldirektor des Bundeskriminalamts, Christian Hoppe, am Mittwochabend in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen xy .... ungelöst". Zu weiteren Spuren oder Hintergründen der Tat machten Hoppe und die Staatsanwaltschaft Braunschweig keine Angaben.

Viele offene Fragen

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"Maddie" McCann verschwand am 3. Mai 2007 spurlos aus einer Ferienanlage in Portugal (Themenbild)

Warum genau der 43-Jährige unter Mordverdacht steht, welche Indizien gegen ihn vorlegen und warum die Ermittler "Maddie" für tot halten, ist nicht bekannt. Es gibt bisher keine weiteren bekannten Zeugen und keinen Leichnam. Die Ermittler bitten um Hinweise zu zwei Autos und einer Telefonnummer.

Vergewaltigung einer 72-Jährigen

Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Betäubungsmittelverstöße - die Liste der Verbrechen des verdächtigten Mannes ist lang. Derzeit sitzt er wegen einer Haftstrafe aus dem Jahr 2011 in Kiel (Schleswig-Holstein) im Gefängnis - es ging um Drogenhandel. Im Dezember vergangenen Jahres verurteilte das Landgericht Braunschweig den Mann wegen Vergewaltigung zu sieben Jahren Haft. Er soll sich 2005 an einer damals 72 Jahre alten US-Amerikanerin in deren Haus in Praia da Luz vergangen haben. Ein Haar am Tatort brachte die Fahnder auf die Spur des Mannes. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Revision liegt derzeit beim Bundesgerichtshof (BGH). Eineinhalb Jahre nach der Vergewaltigung verschwand "Maddie" - am selben Ort.

Wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

2017 verurteilte das Landgericht Hannover den 43-Jährigen wegen des Besitzes von Kinderpornographie und Kindesmissbrauchs zu einem Jahr und drei Monaten, wie Thomas Klinge, Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, am Donnerstagnachmittag bestätigte. Seine Behörde ist in Niedersachsen für Kinder- und Jugendpornographie zuständig.

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17 Einträge im Vorstrafenregister

Laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" soll der Verdächtige 17 Einträge im Vorstrafenregister haben, darunter Fahren ohne Fahrerlaubnis, Körperverletzung und schwerer Diebstahl. Der Mann startete seine kriminelle Karriere demnach bereits als Minderjähriger. 1993 verhängte das Amtsgericht Würzburg eine zweijährige Jugendstrafe - unter anderem wegen Kindesmissbrauchs, wie aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. In Portugal wird er mit einer Vielzahl von Einbruchdiebstählen in Hotelanlagen und Ferienwohnungen sowie mit Drogenhandel in Verbindung gebracht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.06.2020 | 14:00 Uhr

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