Stand: 21.08.2019 14:22 Uhr

Tödliche Verfolgungsjagd: Kritik an Polizei

Nach einem tödlichen Unfall bei einer Verfolgungsjagd in Braunschweig ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft gegen den 37-jährigen Verursacher wegen fahrlässiger Tötung. Außerdem müsse sich der Mann wegen Fahrens ohne Führerschein verantworten. Der Beschuldigte war am Dienstag auf der Flucht vor der Polizei in zwei Autos gekracht. Dabei soll er zeitweise mit mehr als 200 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen sein. Ein 33-jähriger Unbeteiligter aus Braunschweig kam bei der Kollision ums Leben. Das wirft die Frage auf, ob der Verdächtige um jeden Preis hätte verfolgt werden müssen.

Ein verschrottetes Auto.

Kritik an Polizei nach Verfolgungsfahrt

Hallo Niedersachsen -

Nach einer Verfolgungsfahrt in Braunschweig, bei der ein unbeteiligter Autofahrer getötet wurde, steht die Polizei in der Kritik. Musste der Verdächtige um jeden Preis verfolgt werden?

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Der Jurist und Kriminologe Thomas Feltes von der Universität Bochum kritisiert das Vorgehen der Polizei scharf. Die Beamten hätten die Verfolgungsjagd abbrechen müssen, sagte Feltes gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Es sei kein Grund, jemanden zu verfolgen und Leib und Leben zu riskieren, nur weil der Fahrer keine Fahrerlaubnis besitzt. Der Leiter der Unfallforschung der Versicherer Siegfried Brockmann sieht das anders: Die Polizisten mussten dem davon rasenden Auto folgen. Das erklärt Stefan Weinmeister von der Polizei Braunschweig so: Die Beamten müssten generell verfolgen, wenn die Identität des Fahrers und die Gefahrenlage unklar ist.

Beamten finden Drogen

Die Beamten fanden bei dem Unfallfahrer nach eigenen Angaben tatsächlich Drogen. Um was genau es sich dabei handelte, konnte der Sprecher nicht sagen. Auch zur Herkunft des 37-Jährigen wollte er aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen. Der Mann befindet sich nach einer Operation weiter im Krankenhaus und ist bislang noch nicht vernehmungsfähig. Er sowie der andere Verletzte schwebten nicht in Lebensgefahr, sagte ein Polizeisprecher.

Autofahrer will sich Kontrolle entziehen

Die Verfolgung war wie folgt abgelaufen: Eine Polizeistreife wollte den 37-Jährigen am Dienstag gegen 18 Uhr auf der A2 kontrollieren. Eine Überprüfung des Kennzeichens hatte ergeben, dass ihm der Führerschein entzogen worden war. Der Mann ignorierte die Haltezeichen jedoch und raste mit seinem schwarzen BMW Kombi in Richtung A39 davon. Dort baute er zwischen den Anschlussstellen Sickte und Braunschweig-Rautheim einen ersten Unfall. Nach Angaben des Sprechers kam er rechts von der Fahrbahn und touchierte die Schutzplanke. Dennoch konnte er seine Flucht fortsetzen.

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Wegen Schäden an der Fahrbahn ist die Ausfahrt Braunschweig-Südstadt bis auf Weiteres gesperrt.
Wagen geht in Flammen auf

Zu der tragischen Kollision kam es kurz darauf, als der 37-Jährige die Autobahn an der Anschlussstelle Braunschweig-Südstadt verlassen wollte. Mit hoher Geschwindigkeit krachte er in zwei Autos, die auf dem Rechtsabbiegestreifen warteten. Der Fahrer des mittleren Autos starb noch an der Unfallstelle. Der Unfallverursacher und der 43 Jahre alte Fahrer des vorderen Autos wurden schwer verletzt. Durch ausgelaufenen Treibstoff und Öl brannte der Wagen des 37-Jährigen komplett aus. Eine Polizeibeamtin erlitt an der Unfallstelle eine leichte Rauchgasvergiftung, als sie zu Hilfe eilte.

Abfahrt bleibt gesperrt

Wegen der Aufräumarbeiten sind die Autobahnausfahrt Braunschweig-Südstadt und die Salzdahlumer Straße voraussichtlich bis 11 Uhr am Donnerstag gesperrt. Nach Angaben des Sprechers wurden die Fahrbahn und ein Ampelmast erheblich beschädigt. Der Gesamtschaden beträgt rund 65.000 Euro. Die Polizei bittet Zeugen der Verfolgungsjagd und des Unfalls, sich beim Verkehrsunfalldienst unter der Telefonnummer (0531) 476 39 35 zu melden.

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Hallo Niedersachsen | 21.08.2019 | 19:30 Uhr

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