Stand: 11.10.2018 14:09 Uhr

Führen neue CO2-Grenzwerte zu Jobabbau bei VW?

Die EU will neue Grenzwerte für den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2) bei Autos festlegen - und zwar um 35 Prozent niedrigere als bislang. Doch der Schritt hin zu saubereren Fahrzeugen bringt die Autoindustrie auf die Barrikaden, bei VW in Person von Konzernchef Diess. Falls es zu scharfe Klimaauflagen gebe, drohe der massenhafte Verlust von Arbeitsplätzen, so Diess zur "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Sollte der Grenzwert gar um 40 Prozent gesenkt werden, müsste 2030 bereits die Hälfte der Fahrzeuge rein elektrisch fahren. Die Transformation in der Geschwindigkeit und mit den Auswirkungen sei kaum zu managen, so Diess weiter. Demnach müsste in gut zehn Jahren etwa ein Viertel der Jobs in den VW-Werken wegfallen. Das entspreche etwa 100.000 Arbeitsplätzen.

Herbert Diess, neuer VW-Chef in blauem Anzug. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

CO2-Ausstoß: Volkswagen rasselt mit Säbeln

Ein Drittel CO2 muss die Autoindustrie in den nächsten Jahren bei ihren Fahrzeugen einsparen. Volkswagen geht das viel zu schnell. Der Konzern übt sich in gewohnten Drohgebärden.

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"Mit Kohlestrom wird E-Mobilität zum Wahnsinn"

"So eine Industrie kann schneller abstürzen als viele glauben wollen", sagte Diess. Außerdem prangerte der VW-Chef den deutschen Energiemix an. Das E-Auto werde mit dem Diesel bei der CO2-Bilanz auf langen Strecken auf absehbare Zeit auch deshalb nicht mithalten können. "Denn die Wahrheit ist: Sie stellen nicht auf Elektro um, sondern auf Kohlebetrieb." Schon bei der Produktion einer Batterie mit Kohlestrom entstünden bereits fünf Tonnen Kohlendioxid. "Und wenn Sie dann noch mit Kohlestrom fahren, wird E-Mobilität wirklich zum Wahnsinn." VW-Betriebsratschef Osterloh sagte gar, nicht wenige Politiker verlangten minus 50 oder 75 Prozent CO2-Ausstoß bis 2030: "Wenn das im Europäischen Parlament so beschlossen wird, dann können wir das Autobauen in Deutschland vergessen."

Kommentar

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Merkel: "Ergebnis ist gut"

Als vertretbar nannte Diess in der "SZ", die Klimaziele um maximal 30 Prozent zu verschärfen. Die EU-Umweltminister hatten in der Nacht zu Mittwoch beschlossen, die Kohlendioxid-Grenzwert von Autos zwischen 2021 und 2030 noch einmal um 35 Prozent zu senken. Die Entscheidung der Minister lag damit über dem Vorschlag der EU-Kommission, der bei 30 Prozent lag. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rechnet nicht mehr mit gravierenden Änderungen. "Das Ergebnis ist gut", sagte sie.

Dudenhöffer: Regelung beschleunigt Wandel

Ferdinand Dudenhöffer, Experte für die Automobil-Branche, sieht anders als Diess Vorteile in dieser Regelung. Sie würde den Wandel der Industrie beschleunigen, sagte er NDR Info. Man müsse jetzt schnell in Richtung E-Mobilität gehen. Er fände es schade, dass immer mit dem Verlust von Arbeitsplätzen gedroht werde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.10.2018 | 20:00 Uhr

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