E-Autos, Klimaziele, Software: VW mitten im Wandel

Stand: 13.07.2021 16:21 Uhr

Volkswagen hat seine Konzernstrategie für die Jahre bis 2030 vorgestellt. Als ein wesentliches Ziel ruft der Autobauer die Senkung der CO2-Bilanz aus.

Konkret hat VW vor, den realen CO2-Fußabdruck pro Wagen über dessen gesamte Lebensdauer um 30 Prozent im Vergleich zu 2018 zu verringern. Diese Vorgabe sei "im Einklang mit dem Pariser Abkommen", also den internationalen Klimazielen, hieß es vom Konzern.

Bis 2030: Hälfte der Autos batteriebetrieben

"New Auto" heißt die Strategie. Neu soll dabei unter anderem der Anteil der batteriebetriebenen Fahrzeuge sein: Die Hälfte aller Modelle will Volkswagen bis 2030 entsprechend umgestellt haben. VW will weltweiter Marktführer bei der E-Mobilität werden und vor allem gegenüber dem US-Wettbewerber Tesla aufholen. Bis 2040 sollen "nahezu 100 Prozent der neuen Konzernfahrzeuge in den Hauptmärkten" emissionsfrei unterwegs sein. Noch einmal zehn Jahre später, bis 2050, will der ganze Konzern es zu einer ausgeglichenen CO2-Bilanz geschafft haben.

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Konzern steht vor radikaler "Transformation"

Volkswagen steht nach eigenen Angaben vor einer Verschiebung seiner Prioritäten und Hauptumsatzquellen: Es gehe um eine "Transformation des Konzerns zum softwaregetriebenen Mobilitätsunternehmen". Nach dem Umstieg vom Verbrennungsmotor zur Batterie werde der Bereich Software und Dienstleistungen zunehmend im Fokus stehen.

Selbst herstellen und weiterverkaufen

Auf mehreren Gebieten plant VW weitere Schritte hin zur Unabhängigkeit: durch eigene Software, eigene Baukästen und Batterieherstellung - die entsprechenden Produkte sollen dann zum Teil wiederum anderen Konzernen zur Verfügung stehen. So entwickelt der Konzern eine Mechatronik-Plattform, die die Architektur der Fahrzeuge vereinheitlichen soll - Ziel ist es, sie am Ende für sämtliche Modelle einzusetzen. Andere Fahrzeughersteller können die Plattform ebenfalls nutzen. Entwickelt wird sie in Wolfsburg; rund 800 Millionen Euro sollen in ein entsprechendes Zentrum fließen. "Beeindruckend" nannte Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) diese Perspektive für Wolfsburg. Dort werde "die Weiterentwicklung der Software und der Elektroantriebe deutlich intensiviert werden. Ich freue mich auf Hunderte attraktive Arbeitsplätze mitten in Niedersachsen", so Weil.

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Eigener Batteriekreislauf

Vereinheitlichung ist auch das Ziel bei der Entwicklung konzerneigener Software - ein entscheidender Bereich und wichtiges Geschäftsmodell für die Autoherstellung der Zukunft: Information und Unterhaltung, Dienste, Nutzerfreundlichkeit, autonomes Fahren - alles basiert im modernen Fahrzeug auf Software.

Viel Geld steckt der Konzern außerdem in die Batterieproduktion und damit verbundene Geschäftsbereiche. Volkswagen plant, "durch den Aufbau neuer Partnerschaften und die Abdeckung aller Teilbereiche von den Rohstoffen bis zum Recycling eine selbst kontrollierte Batterielieferkette aufzubauen". Dafür werde man eine "Einheitszelle" einführen. Bis 2030 sollen sechs große Fabriken in Europa die Produktion übernehmen. Neben Standorten in Schweden und Spanien ist auch in Salzgitter eine Fabrik geplant. Gemeinsam mit internationalen Partnern will VW zudem bei der Ladeinfrastruktur kräftig mitmischen - ebenso natürlich beim autonomen Fahren, das essenzieller Bestandteil der Strategie bis 2030 ist.

Lob von Weil und Appell an Bund

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) spricht im Interview. © NDR
Weil lobte, VW gehe konsequente Schritte hin zur Umweltfreundlichkeit. (Archivbild)

"Volkswagen geht mit großer Konsequenz weiter auf seinem Weg hin zu besonders umweltfreundlichen und voll digitalisierten Fahrzeugen", so Ministerpräsident Weil. "Der Konzern investiert Milliarden in eine moderne, nachhaltige Automobilproduktion und er tut das in erheblichem Maße auch hier in Niedersachsen. In Salzgitter entsteht eine gigantische Batteriezellfabrik. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Deutschland auch bei Elektrofahrzeugen nicht auf ausländische Produktionen zurückgreifen muss." Weil appellierte an die Bundesregierung, in Deutschland für "wettbewerbsfähige Bedingungen für Batteriezellproduktion und ein deutliches finanzielles Engagement des Bundes" zu sorgen.

Zukunftsplan trägt Handschrift von Vorstandschef Diess

Geprägt ist die neue Konzernstrategie maßgeblich von Vorstandschef Herbert Diess. Dessen Vertrag wurde gerade frühzeitig bis zum Oktober 2025 verlängert. Für den Betriebsrat, der zuletzt häufiger mit Diess aneinandergeraten war, bedeuten die ersten Eckpunkte der Technikstrategie mehr Verbindlichkeit bei personellen Umwälzungen. Es gebe jetzt einen "klaren Fahrplan für die anstehenden Veränderungen", sagte Betriebsratschefin Daniela Cavallo Ende vergangener Woche. Vorgesehen ist zudem ein Modernisierungsfonds, aus dem innerhalb von fünf Jahren 125 Millionen Euro in die Standorte der VW AG fließen sollen. Allgemeines Ziel: die eigene Attraktivität als Arbeitgeber steigern.

Kernmarke setzt auf Konzept "Accelerate"

Die Kernmarke Volkswagen Pkw hatte im Frühjahr eine neue Unternehmensstrategie vorgelegt. Sie heißt "Accelerate" und soll den Ausbau weiterer E-Modelle beschleunigen, ebenso wie die Einführung von Abo-Diensten und Vorbereitungen fürs autonome Fahren.

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