Außenaufnahme vom ehemaligen Kernkraftwerk Würgassen mit seinem Umspannwerk an der Weser. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner

Bürgerinitiative protestiert gegen Zwischenlager Würgassen

Stand: 07.03.2021 20:05 Uhr

Der Bau des geplanten Atommüll-Logistikzentrums in Würgassen an der Grenze zu Niedersachsen sorgt weiter für Proteste. Am Sonntag hielt eine Bürgerinitiative eine Mahnwache vor dem Gelände ab.

Wer gedacht hat, in einer dünn besiedelten Region auf nur wenig Widerstand zu treffen, der sehe sich getäuscht, sagte der Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Atomfreies Dreiländereck, Dirk Wilhelm, gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Die BI habe in den vergangenen zwölf Monaten einen ständigen Zuwachs an Mitgliedern erfahren, betonte Wilhelm. Zudem hätten sich bei einer Unterschriftenaktion 12.000 Bürgerinnen und Bürger gegen das Atommüll-Projekt ausgesprochen. Mit der Mahnwache wolle man ein deutliches Zeichen setzen und eine parlamentarische Diskussion in Berlin anstoßen.

Bezirksregierung hält Pläne für unzulässig

Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) will auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerkes im Dreiländereck von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen ein 325 Meter langes Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus ganz Deutschland bauen. Der Atommüll soll dort für den Weitertransport zum Endlager Schacht Konrad vorbereitet werden. Die Planungen laufen trotz erheblicher Bedenken der zuständigen Bezirksregierung Detmold weiter. Das Areal ist nach Angaben der Behörde zwar im dortigen Regionalplan als Fläche für Kraftwerke und einschlägige Nebenbetriebe ausgewiesen. Eine Nutzung als Lager- und Umschlagplatz für jegliche Abfälle sei aber nicht zulässig. Auch Vertreter der fünf angrenzenden Landkreise und zahlreiche Bürgermeister hatten sich gegen das Projekt ausgesprochen.

BGZ sieht sich privilegiert

"Wir haben diese rechtliche Würdigung zur Kenntnis genommen", sagte ein Sprecher der BGZ. Man sehe aber keinen Grund, von dem komplexen Vorhaben abzuweichen. Die Einschätzung der Bezirksregierung habe keine Auswirkungen auf die Planungen der Bundesgesellschaft, die als Tochter des Bundesumweltministeriums im Auftrag des Bundes tätig sei. Der Sprecher betonte, man sei "im Sinne des Raumordnungsgesetzes" privilegiert, denn es handele sich um ein gesamtgesellschaftlich wichtiges Vorhaben im Zusammenhang mit dem Atomausstieg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.03.2021 | 10:00 Uhr

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