Jugendliche am Smarthphone © picture alliance / PhotoAlto | Frédéric Cirou Foto: Frédéric Cirou

Mehrheit der Jugendlichen misstraut den Medien - aber ...

Stand: 30.08.2022 17:09 Uhr

Viele Jugendliche, die sich über soziale Medien informieren, neigen zu Verschwörungsmythen. Ein anderes Bild zeichnet sich bei jenen ab, die sich über die öffentlich-rechtlichen Medien informieren.

Bei den Jugendlichen, die ihre Informationen bevorzugt aus den sozialen Medien beziehen, zeigt sich laut einer Studie der Universität Bielefeld bei 37,6 Prozent eine starke Verschwörungsneigung. Unter den Jugendlichen, die sich überdurchschnittlich viel über die öffentlich-rechtlichen Medien informieren, zeigen allerdings nur 5,4 Prozent eine starke Neigung zu Verschwörungsmythen.

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Misstrauen in Journalistinnen und Journalisten

Unter den 1.582 Kindern im Alter von sechs bis elf Jahren und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 16 Jahren, die im Rahmen der Studie befragt wurden, misstrauen außerdem 71,6 Prozent Journalistinnen und Journalisten. Mehr als ein Drittel der Befragten vermutet sogar, dass die Medien absichtlich wichtige Informationen zurückhalten (37,9 Prozent) und nur ihre eigene Meinung verbreiten (32,8 Prozent).

Studienleiter: Ergebnisse sind "alarmierend"

Neben Familien in Aurich wurden auch Familien in Berlin, Leipzig, Köln, Deggendorf, Herne, Neunkirchen/Saar, Reutlingen, Stralsund und Bitburg befragt. Studienleiter Professor Holger Ziegler von der Universität Bielefeld bezeichnete die am Dienstag vorgestellten Studien-Ergebnisse als "alarmierend".

"Meldungen können Angst machen"

Ziegler sagte zu den möglichen Gründen, die das geringe Vertrauen in die Medien erklären: "Das Leben von heranwachsenden Kindern und Jugendlichen wird in einem hohen Maße durch die Medien geprägt." Demnach hole man sich mit nur wenigen Klicks tagesaktuelle Informationen über den Zustand der Welt. "Meldungen von Klimawandel und Armut, Fake News und Krieg können Angst machen und hinterlassen Spuren." Eine Möglichkeit, darauf zu reagieren, sei, diese Informationen in Zweifel zu ziehen, sich zurückzuziehen und anderen zu misstrauen - auch den Medien, so Ziegler.

Vertrauen in Wissenschaftler und Polizei fällt besser aus

Das Vertrauen in öffentliche Einrichtungen ist der Studie zufolge ebenfalls nur mäßig ausgeprägt. So vertraue nur jeder zweite Jugendliche der Bundesregierung (53,9 Prozent). Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hingegen genießen ein höheres Vertrauen (76,1 Prozent). Auch der Polizei wird mehr Vertrauen entgegengebracht (79,9 Prozent). Laut Studie weisen von den Jugendlichen, die nur ein geringes Vertrauen in öffentliche Einrichtungen haben, mehr als ein Drittel (38,7 Prozent) eine starke Anfälligkeit für Verschwörungsgedanken auf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.08.2022 | 15:00 Uhr

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