Anke Vater | IM "Marion Albrecht"

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Ihr machten Gewissensbisse das Spitzeln für die Stasi unmöglich. Doch zuvor lieferte auch Anke Vater Informationen über Mannschaftskameradinnen an den Geheimdienst.

Vater wurde am 5. Juni 1961 in Stavenhagen geboren, ging in Neubrandenburg zur Schule und wechselte wegen ihres sportlichen Talents 1975 zur Kinder- und Jugendsportschule (KJS) des Sportclubs Neubrandenburg (SCN). Ihre Entwicklung verlief geradlinig - sowohl im sportlichen als auch im schulischen Bereich. Nach dem Abitur nahm sie im September 1981 ein Medizin-Fernstudium an der Berliner Humboldt-Universität auf. Als Mehrkämfperin gewann Vater 1983 die Bronzemedaille bei den ersten Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Helsinki. 1986 wurde sie in Stuttgart Europameisterin, bei den Olympischen Spielen 1988 im südkoreanischen Seoul holte sie mit persönlicher Bestleistung noch einmal Bronze.

Die Offiziere der Abteilung XX des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) suchten Anfang 1980 gezielt nach einer Quelle im erweiterten Olympiakaderkreis der Neubrandenburger Leichtathleten. Der sogenannte "Informationsbedarf" über diese Gruppe war hoch. Das MfS interessierte sich besonders für das Freizeitverhalten der Athleten im Internat des SC Neubrandenburg. Anke Vater passte exakt in das Anforderungsprofil.

Umfangreich beauftragt

Die Kontaktgespräche zwischen ihr und den MfS-Mitarbeitern Unterleutnant Gerhard Klage und Oberleutnant Wolfgang Mann, zunächst im Dienstzimmer der Staatssicherheit im SC Neubrandenburg und später in der Konspirativen Wohnung "Richard" in der Kleinen Wollweberstraße, verliefen zudem viel versprechend. Die junge Leichtathletin zeigte sich nicht ablehnend und verpflichtete sich am 1. Oktober 1980 zur inoffiziellen Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit. Auch sie hatte ihre Gründe:

"- Gewährleistung der Sicherheit im Sportclub
- Klärung von Problemen innerhalb  des Sportclubs
- Auswahl der Reisekader ins NSA (Nichtsozialistisches Ausland)
- Feststellen des Verhaltens von Sportlern bei Auslandsstarts
- Verhinderung von Störversuchen des Gegners gegen den Leistungssport
- Verhalten der Leistungssportler im Freizeitbereich"

Quelle: AIM III 1085/86 Teil I Band 1 "Marion Albrecht", BStU 000040f., ASt Neubrandenburg, Verpflichtungserklärung von Anke Vater vom 01.10.1980

Anke Behmer hat heute eine Physiotherapie-Praxis in Neubrandenburg. Sie äußerte sich bislang nicht zu ihrer Stasi-Verstrickung.

Wenn Schuldgefühle wachsen

"Marion Albrecht" gab zunächst bereitwillig Auskunft über Sportkameraden. Den Einschätzungen der MfS-Offiziere ist durchaus anzumerken, dass sie mit sich selbst zufrieden waren, einen Inoffiziellen Mitarbeiter im Spitzenbereich der Leichtathleten geworben zu haben. Aber "Marion Albrecht" entwickelte zunehmend einen "Schuldkomplex", es fiel ihr schwer, ihre Trainingskameraden zu denunzieren. Sie ging der Zusammenarbeit aus dem Weg.

In einer sogenannten Grundsatzaussprache Ende November 1983 schilderte Vater den MfS-Mitarbeitern Werner Helminiak und Frank Böke ihren Gewissenskonflikt. Die Konsequenz: Die Stasi änderte ihre Strategie und setzte "Marion Albrecht" nicht mehr so direkt auf Sportler und deren Freizeitverhalten an. Die Aufträge wurden breiter gefasst. Eine mündliche Berichterstattung genügte.

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