Stand: 01.05.2012 20:15 Uhr

Als aus Sportlern Spitzel wurden

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Alexander Slatnow gewann 1971 für den SCN den ersten Weltmeistertitel. Inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheiti wurde er schon ein Jahr zuvor.

Sie waren Leichtathleten und Kanuten. Und im Nebenberuf IM. Die Zahl der Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) beim Sportclub Neubrandenburg (SCN) stieg kontinuierlich. Bis zum Fall der Mauer spitzelten nach Recherchen des NDR 53 IM im Leben der Sportler, Trainer und Funktionäre eines der kleinsten Leistungssportclubs der DDR.

Geflüchtet ist niemand

Nicht alle waren dienliche Quellen des DDR-Geheimdienstes. Dennoch schafften es die für den Sport zuständigen Neubrandenburger Offiziere des MfS, mit ihrem IM-Netz den "Auftrag" der Partei zu erfüllen. Nie flüchtete ein Sportler des SCN bei Wettkämpfen oder Trainingslagern in den Westen. "Unsichere Kandidaten" wurden rechtzeitig aus dem Leistungssportsystem "entfernt". Das Netz der Staatssicherheit über dem Sportclub Neubrandenburg hatte eine fürchterliche Effizienz.

  • Gabriele Greiner | IM "Kora"

    Gabriele Greiner ist gerade Abiturientin, als die Staatssicherheit in ihr die perfekte Informantin sieht. Sie ist der erste Inoffizielle Mitarbeiter im SC Neubrandenburg und soll die Olympia-Mannschaft in München 1972 "absichern". Erste Kontaktgespräche verlaufen zufrieden stellend. Offen und ohne Zurückhaltung berichtet Greiner über ihr Umfeld. mehr

  • Alexander Slatnow | IM "Peter Schreiber"

    Unter dem Decknamen "Peter Schreiber" arbeitete Alexander Slatnow in den 1970er-Jahren mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammen. Er lieferte zunächst alle Informationen über Athleten aus seinem Umfeld. Prominenteste Zielperson war damals Ilse Kaschube, die 1972 die erste Olympiamedaille für den SC Neubrandenburg gewann. mehr

  • Ein Minderjähriger | IM "Gerd Bauer"

    "... Bei der Realisierung ... wurde deutlich, daß der IM in der Lage ist, mit Legenden und Kombinationen zu arbeiten, die Konspiration konsequent einzuhalten ... Er zeigte Eigeninitiative ... und ist in der Lage, sich Situationen anzupassen." Dieses Lob sprach das Ministerium für Staatssicherheit einem jungen 800-Meter-Läufer aus. mehr

  • IM "Marion Schubert"

    Als "Marion Schubert" liefert sie sehr private Details über ihre Trainingskameradinnen. Aber nur zwei Jahre nach ihrer Verpflichtungserklärung stagnieren die Leistungen der 800-Meter-Läuferin. Sie verlässt den Kader und geht nach Berlin zum Studium. Weiterspitzeln für die Stasi - das will sie zunächst trotzdem. mehr

  • Eine Minderjährige | IM "Beck"

    Sie wollte eine Spitzen-Kanutin werden. Freiwillig und überzeugt vom Geheimdienst der DDR, lieferte sie Informationen zunächst über Trainingskameraden vom SC Neubrandenburg. Nach dem frühen sportlichen Aus ging es für sie als IM "Beck" aber erst richtig los. Weder ihre Arbeitskollegen noch ihre Freunde waren tabu. mehr

  • Eine Minderjährige | IM "Thomas"

    Eine gute Auffassungsgabe, genaues Beobachten und Vertrauen - mit dieser Mischung erschlich sich die junge Leichtathletin Informationen für die Staatssicherheit. Sie galt als eifrig und talentiert. Und wurde deshalb mit "besonderen" Aufträgen bedacht. Zum Unglück ihrer Vereinskameraden. mehr

  • Andreas Beckurts | IM "Hans Fuchs"

    Andreas Beckurts Leben war von Stasi-Offizieren vorgezeichnet. Der Kanute erwies sich denn auch als lernwillig und gewissenhaft. Beckurts genoss eine umfangreiche Spitzel-Ausbildung. Bis zum Ende der DDR leitete Beckurts ein Referat der Stasi bei der Bezirksverwaltung in Neubrandenburg. mehr

  • Ein Minderjähriger | IM "Frank Lenz"

    17 Jahre war der Leichtathlet, als er die Verpflichtungserklärung bei der Staatssicherheit unterschrieb. Er berichtete über Doping bei Vereinskameraden, über Westkekse und -kaffee. Der 400-Meter-Läufer blieb auch nach seiner sportlichen Karriere dem Ministerium für Staatssicherheit treu. Er hatte seine Gründe. mehr

  • Anke Vater | IM "Marion Albrecht"

    Die Weltklasse-Athletin Anke Vater, die als Mehrkämpferin mehrere Medaillen gewann, sollte der Staatssicherheit als Informantin im Olympia-Kader des SC Neubrandenburg dienen. Was als harmonische Zusammenarbeit begann, sollte bald darauf mit Schuldgefühlen enden. mehr

  • Jörn-Erik Schneider | IM "Jürgen Escher"

    Der Kanute Jörn-Erik Schneider hat es als seine Pflicht angesehen, für die Staatssicherheit zu spitzeln. Sein Umfeld distanzierte sich von ihm. Er berichtete den Offizieren nicht nur über Trainingskameraden, sondern auch über seine eigene Freundin. mehr

  • Torsten Krentz | IM "Torsten Stark"

    Der Kanute Torsten Krentz liebte das Leben und ließ wenig aus. Bis ihn die Stasi erwischte und zwei Jahre vor der Wende zu Spitzeldiensten verpflichtete. . mehr

  • Steffen Weißgerber | IM "Stefan Rau"

    Er gehörte zur letzten Generation der Inoffiziellen Mitarbeiter im Sportclub Neubrandenburg - der Leichtathlet Steffen Weißgerber. Dabei stellte die Staatssicherheit bei ihm fest, "daß mit ihm verstärkt ideologisch gearbeitet werden muß". Doch weil Weißgerber eine internationale Sportlerkarriere bevorstand, ließ die Staatssicherheit nicht locker. mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Forum aktuell | 01.05.2012 | 20:15 Uhr

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