Stand: 26.06.2020 18:13 Uhr

Zitterpartie für MV-Werften geht weiter

Rostock: Im Dock der Warnemünder Werft von MV Werften ist das 216 Meter lange Mittelteil des Global-Class-Kreuzfahrtschiffs im Bau. Das Schiff soll insgesamt 342 Meter lang, 54 Meter breit und vom Kiel bis zum Schornstein 60 Meter mit 20 Etagen hoch werden © NDR Foto: Jana Schulze
Auf der MV-Werft in Warnemünde wurde im vergangenen November der Neubau eines Kreuzfahrtschiffes ausgedockt.

Die MV-Werften in Wismar, Rostock und Stralsund müssen weiter auf wirtschaftlich ruhigeres Fahrwasser warten. Nach einer mehrstündigen Beratung konnten sich Vertreter von 17 Banken am Freitag nicht darauf einigen, eine 175-Millionen-Euro-Hilfe freizugeben, mit der die Schiffbaubetriebe die Zeit bis September überbrücken könnten. Dann sollen die Werften unter den Rettungsschirm des Bundes schlüpfen und einen Kredit über 570 Millionen bekommen. Mindestens bis dahin ist ein Großteil der gut 3.100 Beschäftigten in Kurzarbeit. Anfang der kommenden Woche soll weiter verhandelt werden. Die auf den Bau von Kreuzfahrtschiffen ausgerichteten MV-Werften sind Corona-bedingt in Schieflage geraten. Der Mutterkonzern klagt über massive Gewinneinbrüche.

Minister geben sich optimistisch

Die zuständigen Minister Mecklenburg-Vorpommerns gaben sich optimistisch. "Wir sind kurz vor der Ziellinie. Die Verhandlungen der Banken sind schon sehr weit vorangekommen. Wir erwarten zu Beginn der kommenden Woche eine endgültige Entscheidung", erklärten Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) und Finanzminister Reinhard Meyer (SPD). Die MV-Werften müssten "weiter atmen können". Im Fokus der Landesregierung stehe der Erhalt der Arbeitsplätze.

Banken verzichten auf "Pfand"

Ohne die Finanzspritzen droht den Werften nach Angaben der Landesregierung Anfang Juli die Insolvenz. Die 175 Millionen Euro sind Teil einer "eingefrorenen" Sicherheitsreserve von Genting Hong Kong, dem Mutterkonzern der Werften. Das Geld sollte für die MV-Werften freigegeben werden, um offene Rechnungen der Zulieferer bezahlen zu können. Mit der Freigabe der Gelder würden die Banken auf eine Art Pfand verzichten und ins Risiko gehen. Die Landesregierung hatte bereits in der vergangenen Woche mit einem Kabinettsbeschluss - unterstützt durch ein einstimmiges Votum des Landtags - den Weg für die Hilfe freigemacht. Das Ausfallrisiko des Landes würde dadurch auf gut 220 Millionen Euro steigen.

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MV Werft, Stralsund

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.06.2020 | 19:00 Uhr

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