Stand: 07.01.2020 16:44 Uhr

Wirtschaft: Konjunkturdelle schlägt in MV durch

Jugendliche in der handwerklichen Berufsausbildung. © Fotolia.com Foto: industrieblick
Die Arbeitgeber sehen in einem kostenlosen Azubi-Ticket für Bus und Bahn ein wirksames Mittel gegen den Fachkräftemangel. (Archivbild)

Die bundesweit schwächelnde Konjunktur trübt auch Stimmung und Aussichten der Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern spürbar ein. Laut einer aktuellen Umfrage der Vereinigung der Unternehmensverbände im Nordosten (VUMV) rechnen nur fünf Prozent der Firmen mit besseren Geschäften im neuen Jahr. Ein Jahr zuvor hatten sich noch 39 Prozent der Befragten zuversichtlich geäußert. "Die Stimmungslage ist im Rückwärtsgang", sagte Geschäftsführer Jens Matschenz am Dienstag in Schwerin bei der Vorstellung der Umfrage.

Fast ein Drittel befürchtet schlechtere Geschäfte

Mit 67 Prozent geht der Großteil der Unternehmen für 2020 von gleichbleibenden Geschäften aus, 29 Prozent befürchten eine Verschlechterung. Im Vorjahr war der Anteil der pessimistischen Prognosen mit 14 Prozent nur halb so hoch. Sorgenvoll ist vor allem die Metall- und Elektro-Industrie. Die Baubranche ist die einzige Ausnahme. Wegen steigender Aufträge - besonders im Wohnungsbau - ist die Stimmung weiterhin positiv.

Verband hält 0,5 Prozent Wachstum in MV für realistisch

Das Ziel von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), der für 2020 von einem Wirtschaftswachstum in MV von 1,5 Prozent ausgeht, hält VUMV-Präsident Thomas Lambusch für "sehr sportlich". Man könne froh sein, wenn es am Ende 0,5 Prozent mehr sein würden, meinte Lambusch. Trotz allem halten die Arbeitgeber von einem Krisengerede nicht viel.

Kostenloses Job-Ticket für Azubis gefordert

Die Unternehmen verlangen mehr Engagement von der Politik - insbesondere beim Dauerbrenner-Thema Fachkräftemangel. Es müsse mehr für die Ausbildung getan werden. Vor allem das seit Langem diskutierte kostenlose Azubi-Ticket für Bus und Bahn könne die Ausbildung attraktiver machen, so Lambusch. Es könne nicht sein, dass junge Leute die Fahrt zur Berufsschule teurer bezahlen müssen. Die Wirtschaft sei durchaus bereit, sich an den Kosten zu beteiligen. Außerdem müssten wieder mehr Berufsschullehrer ausgebildet werden, hieß es.

Industrie braucht bessere Rahmenbedingugen

Der Verband sprach sich weiterhin für eine Umstellung der Wirtschaftsförderung aus. Statt der Schaffung von Arbeitsplätzen sollte künftig die Industrie und hier vor allem das verarbeitende Gewerbe von der Politik stärker in den Fokus gerückt werden. In diesem Bereich würden die größten Umsätze und Werte geschaffen. Wenn die Politik sage, Mecklenburg-Vorpommern sei wegen seiner kleinteiligen Wirtschaftsstruktur weniger krisenanfällig, dann sei das zu kurz gedacht, hieß es. Denn große Sprünge nach vorn ließen sich nur mit mehr Industrie machen.

Arbeitgeber stellen Wirtschaftspolitik schwaches Zeugnis aus

Das Zeugnis für die Arbeit der Landesregierung fiel eher schlecht aus: Fast 40 Prozent der befragten Unternehmen vergaben die Noten 5 und 6, eine 1 war gar nicht dabei. Nur drei Prozent der Firmen halten die Wirtschaftspolitik der Landesregierung für gut. Bei der vorherigen Umfrage hatten noch 23 Prozent der Befragten die Note 2 vergeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.01.2020 | 16:10 Uhr

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