Detlev Göllner mit Hündin Lotta im Revier bei Thulendorf © Franziska Drewes Foto: Franziska Drewes

Wieder mehr Feldhasen in Mecklenburg-Vorpommern

Stand: 03.04.2021 14:40 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern springen wieder mehr Feldhasen durch die Landschaft. Das hat die traditionelle Zählung des Landesjagdverbandes ergeben. Rund um Thulendorf im Landkreis Rostock hat sich dessen Bestand sehr gut erholt - dank eines engagierten Jägers.

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Er ist exzellenter Sprinter, kann sehr gut hören und stellt dafür seine besonders langen Löffel auf. Allerdings leidet der Feldhase wie viele Wildtierarten unter der intensiven Landwirtschaft. Viele Feldhasen werden zudem überfahren. Naturschützer verweisen dabei auch auf die durch Straßen zerschnittene Landschaft. Allerdings erholt sich der Bestand langsam wieder - bundes- wie landesweit.

Paradiesische Verhältnisse bei Thulendorf

Die Landschaft rund um Thulendorf im Landkreis Rostock ist ideal für Feldhasen. Dort gibt es für die Tiere viel Dauergrünland, umgeben von Wald, Moorgräben und Ackerflächen. Aber auch brachliegende Felder mit Tümpeln sind hier zu finden. Jäger Detlev Göllner betreut das Revier. "Eine einseitige Ernährung ist für den Hasen nicht gut. Er braucht die Vielfalt und sei es, dass er vielfältige Arten Unkräuter findet." Der 67-Jährige engagiert sich seit seiner frühesten Jugend für den Feldhasen. "Es macht so viel Freude mitzuerleben, wie sich die Bestände erholen."

Feldhasen liegen ihm am Herzen

Springender Feldhase © Seifert / DJV Foto: Seifert / DJV
Die intensive Landwirtschaft macht es den Feldhasen schwerr.

Göllner jagt das Tier nicht, obwohl er es laut Landesjagdordnung könnte. Vielmehr arbeitet er in seinem Revier eng mit Landwirten zusammen, pflanzt entlang ihrer Felder Hecken oder sät zusätzlich Wildkräuter aus. In seinem Genossenschaftlichen Jagdbezirk Thulendorf leben mittlerweile wieder zwischen 25 und 35 Feldhasen auf 100 Hektar. Das sind viel mehr als im landesweiten Schnitt. Da sind es 7 Feldhasen pro 100 Hektar - wieder mehr als noch Jahre zuvor. Hochgerechnet hoppeln laut Landesjagdverband wieder 140.000 Hasen über die Felder und Wiesen von Mecklenburg-Vorpommern. Jäger Detlev Göllner weiß aber auch, dass sich die Population nur langsam erholt. "Vor Jahrzehnten gab es in den deutschen Feldrevieren sehr viele Hasen. Aber in den 1960er- und 70er-Jahren wurden viele Gifte gespritzt. Und die Hasenpopulationen sind überall eingebrochen."

Störfaktor Landwirtschaft

"In der heute zumeist aufgeräumten Agrarlandschaft findet der Feldhase kaum Nahrung und Lebensraum", argumentiert die Deutsche Wildtierstiftung. Andreas Kinser ist dort Artenschützer. Er hat seine Doktorarbeit über den Feldhasen geschrieben und betont, dass Deutschland viel stärker pro Natur wirtschaften müsste, damit es dem Tier wieder auf lange Sicht besser geht. "Ich bin davon absolut überzeugt, wenn es morgen unser oberstes Staatsziel wäre, möglichst viele Hasen und andere bedrohte Tierarten zu schützen, dann schaffen wir das in wenigen Jahren, weil wir genau wissen, was diese Tiere brauchen. Aber die wirtschaftlichen Zwänge für die Landwirte sind enorm und von der Politik so gesteuert, dass es nur ein Abfallprodukt ist, Rücksicht auf Wildtiere zu nehmen."

Kinser zählt einige hasenfreundliche Maßnahmen auf. Wiesen könnten beispielsweise später gemäht werden, bis der Nachwuchs groß genug ist und flüchten kann. Auch ganze Grasstreifen könnten stehen gelassen werden. Kinser schlägt auch vor, Agrarflächen stillzulegen. Für diese finanziellen Verluste müssten Landwirte vom Staat entschädigt werden. Nur so können sich laut Kinser die Feldhasenbestände dauerhaft erholen - bundes- wie landesweit.

Feldhase profitiert von Witterung

Aktuell profitiert der Feldhase vor allem von den drei vergangenen trockenen, warmen Frühjahren. Mehr Nachwuchs als sonst überlebte. "In der Regel sterben zwei von drei neugeborenen Feldhasen", erzählt Jäger Detlev Göllner. Der 67-Jährige freut sich über jeden neuen Hasen in seinem Revier. "Im Gegensatz zum Kaninchen lebt er nicht im Bau, sondern auf dem Boden in Furchen. Das heißt, die einzige Chance, die die jungen Hasen zum Überleben haben, ist ihre braune Tarnfarbe. Aber im Gegensatz zu anderen Jungtieren senden bereits junge Hasen Duftstoffe ab."

Göllner bejagt Fressfeinde

Fressfeinde wie Fuchs, Marderhund oder Dachs wittern sie, Krähen sehen die Jungtiere von oben. Genau diese Fressfeinde bejagt Detlev Göllner intensiv in seinem Revier. Er ist glücklich, dass er gerade erst mitten am Tag mehrere Feldhasen bei ihrer Hasenhochzeit beobachten konnte. Die meiste Zeit sind die Tiere nachtaktive Einzelgänger. "Das waren mehrere Häsinnen und Rammler. Es sieht so aus, als würden sich die Tiere jagen. Und ich konnte auch die Paarung beobachten." Göllner freut sich, denn in etwa 42 Tagen ist der nächste Nachwuchs da und springt über die Felder und Wiesen von Thulendorf im Landkreis Rostock.

Weitere Informationen
Orangefarbenes Ei in einem Nest. © imago/Science Photo Library

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.04.2021 | 06:00 Uhr

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