Wahlkampf im Netz: So sind die Parteien in MV aufgestellt

Stand: 31.01.2021 08:36 Uhr

Im Superwahljahr unter Pandemie-Bedingungen wird auch der Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern digitaler. Auf Facebook, Instagram und Twitter versuchen Parteien und Politiker, potenzielle Wähler zu erreichen - mit ähnlichen Mitteln, aber unterschiedlichen Ergebnissen.

von Carolin Kock

Zitat-Tafeln in Parteifarben, kurze Videos und Ausschnitte von Debatten im Landtag - damit versuchen die Landesverbände der Parteien, ihre politische Arbeit und Standpunkte zu vermitteln. Das kommt aber unterschiedlich gut an: Bei der Zahl der Abonnenten auf Facebook liegt der Landesverband der AfD vorne mit mehr als 16.000. Auf Platz zwei liegt die Linkspartei mit rund 6.800 Abonnenten. Die FDP, die momentan nicht im Landtag sitzt, hat derzeit rund 3.800 Abonnenten - fast so viele wie die SPD mit rund 3.900. Die Grünen haben rund 3.200 Abonnenten, Schlusslicht ist die CDU mit nicht einmal 3.000.

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Parteien in MV fehlt Community

Doch die Zahl der Abonnenten zeigt nicht, wie erfolgreich die Parteien im Netz tatsächlich sind und ob sie verstanden haben, wie die sozialen Medien funktionieren. Martin Fuchs ist Experte für politische Kommunikation und berät Parteien bei ihrem Social Media-Auftritt. Für den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern sieht er Nachholbedarf: "Keine Partei schafft es wirklich, dieses Potenzial von mehreren tausend Abonnenten zu nutzen, mit ihnen zu interagieren und so die Inhalte weiterzutragen." Es gebe kaum Raum für Debatten oder Diskussionen, doch Nutzer wollen beteiligt werden. Eine Community aufzubauen sei wichtig, doch es sei zu spät, damit erst im Wahlkampf zu beginnen, so Fuchs weiter.

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Einzelne Politiker erreichen mehr Menschen

Deshalb erreichen die Seiten einzelner Politiker oft mehr Menschen, als die der Landesverbände - die Nutzer wissen, mit wem sie es zu tun haben und können direkt mit der Person in Kontakt treten. Spitzenreiterin ist dabei Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Sie ist auf allen Plattformen aktiv und geübt, postet mehrere Videos pro Woche und erzeugt bundesweit Aufmerksamkeit. Allein ihre Facebook-Seite hat mehr als 55.000 Abonnenten, die kommentieren und direkt Fragen stellen. Ihr Gegenkandidat von der CDU, Michael Sack, dagegen hat nur rund 5.200 Abonnenten. In seinen Videos berichtet er vor allem über seine Arbeit als Landrat. Für einen Wahlkampf im Netz reicht das nicht, sagt Fuchs: "Da fragt man sich wirklich, warum es diese Seiten gibt und warum er dort ausschließlich als Landrat und nicht als Parteivorsitzender inszeniert wird."

Zabel und Blaudzun - ohne Mandat, aber mit viel Unterstützung

Längst nicht alle Politikerinnen wissen, wie die neuen Medien funktionieren. SPD und CDU holen sich dafür im diesjährigen Wahlkampf junge Unterstützung. Nora Zabel ist 24 und in der CDU. Lilly Blaudszun ist 19 und in der SPD. Beide haben kein politisches Mandat, aber viele Abonnenten - und Einfluss in ihren Parteien. So bestimmen sie schon jetzt den Wahlkampf mit, vermitteln Politik für junge Wähler.

Haustiere, Essen und Kinderbilder

Fast alle Abgeordneten, die im Landtag sitzen, haben Accounts bei Facebook oder Instagram - nur wenige nutzen diese ausschließlich, um ihre politische Arbeit zu vermitteln. Die Inhalte sind oft eine Mischung aus Politik und Privatem. Auf einen Post über einen Vor-Ort-Termin folgen Katzen- und Kinderbilder - Klassiker, die in allen sozialen Medien funktionieren. Aber es gibt auch Spitzenpolitiker im Land, die im Netz überhaupt nicht auftreten, zum Beispiel Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU). Auch das sei legitim, sagt Fuchs. Denn es komme immer darauf an, welche Zielgruppe ein Politiker erreichen will.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 31.01.2021 | 19:30 Uhr

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