Stand: 04.09.2020 17:31 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Uni Rostock testet Corona-Impfstoff

Weltweit wird in diesen Tagen intensiv an Impfstoffen gegen das Coronavirus geforscht. In Rostock soll nun ein gerade entwickeltes Medikament getestet werden, wie der Rostocker Infektionsmediziner und Leiter der Studie, Prof. Emil Reisinger, dem NDR bestätigte. Der Impfstoff wurde von einem amerikanischen Unternehmen entwickelt, das zum Konzern Johnson & Johnson gehört. "Die Impfstoffhersteller suchen Zentren, die in der Lage sind, solche Studien in angemessener Zeit durchzuführen. So kam man auf uns", sagte Reisinger dem NDR Nordmagazin.

Abgeschwächter Erreger wird gespritzt

Es geht um ein Verfahren, das Laien eine aktive Impfung nennen. Das heißt, man bekommt einen abgeschwächten Krankheitserreger gespritzt, so dass das Immunsystem anspringt und Antikörper entwickelt. Dafür wird ein Virus genutzt, das genetisch manipuliert wurde. Es hat nämlich die Gen-Informationen des SARS-Cov-2-Virus eingepflanzt bekommen, also die des Corona-Erregers. "Es handelt sich um einen Adenovirus-Vektorimpfstoff", so Reisinger. Ziel sei es auch zu untersuchen, wie lang der Impfschutz anhält.

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Es gibt bereits Interessenten

Als Testpersonen werden insgesamt 75 Menschen gesucht, die zwischen 18 und 55 Jahre alt sind oder die älter sind als 65 Jahre. Wichtig ist, dass sie gesund sind. "Es haben sich heute schon zahlreiche Probanden gemeldet", so Reisinger. Diese erhalten eine Aufwandsentschädigung.

Rostock eines von drei Testzentren in Deutschland

Laut Reisinger entwickeln derzeit 150 Konsortien Impfstoffe gegen Covid, 30 davon sind in fortgeschrittenen Studien. Die Universitätsmedizin Rostock hat sich offenbar in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht als Kompetenzzentrum für Studien, in denen es um Impfstoffe geht. Dieser neue Impfstoff wird deutschlandweit an drei Zentren getestet - in Hamburg, Berlin und Rostock. Reisinger rechnet in spätestens 15 bis 17 Monaten mit Erkenntnissen über die Wirksamkeit des Impfstoffes.

Paul-Ehrlich-Institut: Keine besonderen Risiken

Noch ist über Nebenwirkungen nichts bekannt. Der Präsident des für die Genehmigung von Impfstoffen zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts, Prof. Klaus Cichutek, schätzt die Risiken für die Probanden bei den Tests als eher gering ein. Umfangreiche Daten an vielen Zehntausend Probanden und an mit einem vergleichbaren Impfstoff Geimpften lägen bereits vor, so Cichutek gegenüber NDR 1 Radio MV. "Das Antigen ist ebenfalls schon an mehreren Tausend - wenn nicht Zehntausend - verimpft worden, sodass dies eigentlich auch keine besonderen Risiken beinhaltet." Vorübergehende Nebenwirkungen könnten schnell abklingende Lokalreaktionen wie Kopfschmerz, Muskelschmerz und Fieber sein.

Reisinger rechnet Anfang 2021 mit Corona-Impfstoff

Reisinger geht mit Blick auf die weltweiten Forschungen davon aus, dass Anfang 2021 erste Corona-Impfstoffe in Europa zugelassen werden. Dann würden wahrscheinlich verschiedene Impfstoffe am Markt erhältlich sein. "Es ist nur die Frage: Welcher Impfstoff ist auch mengenmäßig vorhanden."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 04.09.2020 | 16:10 Uhr

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