Stand: 11.06.2018 15:10 Uhr

Toter Buckelwal gibt weiter Rätsel auf

Nach dem Fund eines toten Buckelwales am Strand von Graal-Müritz (Landkreis Rostock) ist die Todesursache weiterhin nicht geklärt. Experten des Stralsunder Meeresmuseums hatten den vier Tonnen schweren Kadaver am Sonntagnachmittag stundenlang untersucht. Zehn Mitarbeiter unter der Leitung des Meeresbiologen Timo Moritz von der Stiftung Deutsches Meeresmuseum zerlegten den 8,65 Meter langen Kadaver im Hof des Nautineums in Stralsund. Denn aufgrund der Größe des Buckelwals stellte sich die Halle der Forschungseinrichtung für die Sektion als zu klein heraus.

Keine größeren Plastikteile im Magen

Die Forscher entnahmen während der Sektion des Kadavers Hunderte Proben von Fett-, Muskel- und Organgewebe und konservierten diese für weitere Untersuchungen in Formalin oder Alkohol. Eine Analyse der Proben könne weitere Hinweise auf die Todesursache ergeben. Der Magen- und Darminhalt wurde Moritz zufolge eingefroren. Neben Krebsen, Kleintieren und sechs Bandwürmern, die als sehr geringer Parasitenbefall eingestuft wurden, seien aber keine größeren Plastikteile gefunden worden. Plastik gilt momentan als ein großes Problem in den Weltmeeren.

Weder Schiffszusammenstoß noch verhungert

Klar sei, dass der Buckelwal weder mit einem Schiff zusammengestoßen noch verhungert ist, wie Moritz im NDR 1 Radio MV Interview sagte. Auch eine größere Krankheit könne ausgeschlossen werden. Infrage käme etwa Stress oder eine bislang nicht sichtbare Krankheit, die zum Tod des Meeressäugers geführt haben könnte. Auch ein Ertrinken könne nicht ausgeschlossen werden.

Skelett in gutem Zustand

Nach der Entnahme der Gewebeproben wurden auch die Knochen des Giganten grob von Fleisch befreit. Sie sollen später in ein sogenanntes Mazerationsbad mit einer Art bioaktiven Waschmittel eingelegt werden. Dann übernehmen Bioenzyme in monatelanger Arbeit die Befreiung des Skeletts von Fleischresten. Nach Angaben von Moritz ist das Skelett selbst in einem sehr guten Zustand. Anschließend soll es Platz in der Sammlung des Meeresmuseums finden, eventuell auch ausgestellt werden.

Mit Traktoren und Feuerwehrfahrzeugen über den Strand gezogen

Das bereits tote Tier war am Sonnabend vor der Seebrücke von Graal-Müritz treibend in der Ostsee gesichtet worden. Einsatzkräfte von Feuerwehr und Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) transportierten den toten Buckelwal ab. Mit Traktoren und Feuerwehrfahrzeugen sei der Wal den Strand hinaufgezogen und anschließend auf einen Lastwagen verladen worden, hieß es.

Acht-Meter-Wal am Strand von Graal-Müritz

Auf Heringsfang vor Rügen?

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Fachleute sezierten den Wal in Stralsund.

Laut Moritz handelt es sich um ein knapp ein Jahr altes Weibchen, das sich wahrscheinlich verirrt habe. Normalerweise leben Buckelwale im Atlantik. "Es kommt aber immer wieder vor, dass einzelne Exemplare bis nach Rügen schwimmen und sich dort mit Hering vollfressen", so der Wissenschaftler.

"Absolute Ausnahme"

Funde von Buckelwalen sind laut Moritz die "absolute Ausnahme". Die Tiere würden sich zwar in die Ostsee verirren, aber im Unterschied zu anderen Bartenwalarten fänden Buckelwale auch wieder zurück in die Nordsee, so der Experte. Die Experten schätzen, dass der Buckelwal seit gut einer Woche tot ist. Das junge Tier sei zudem schlecht ernährt gewesen.

Buckelwale manchmal als Irrgäste in der Ostsee

Buckelwale können bis zu 15 Meter groß werden. Zuletzt waren Vertreter der Spezies häufiger als Irrgast in der Ostsee zu sehen - so etwa 2016 im Greifswalder Bodden, davor 2014/2015 sogar eine Mutter mit Kalb. Diese beiden Tiere hatten nach Einschätzung dänischer Forscher wohl in der Ostsee überwintert. Vor der deutschen Küste gibt es Nachweise von Buckelwalen für 1766, 1978, 2003 und 2008. Der letzte tote Buckelwal war 2003 bei Groß Schwansee in der Lübecker Bucht in der Ostsee gefunden worden. Auch damals handelte es sich um ein Buckelwal-Weibchen, allerdings war es mit einer Körperlänge von 6,04 Metern deutlich kleiner. Auffällig sei, dass derzeit relativ viele tote Schweinswale und Kegelrobben gefunden werden, so Moritz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.06.2018 | 14:00 Uhr

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