Ein Arbeiter zersägt einen Bau © colourbox Foto: Stockwerk

Streit um Baumfällungen im Kurpark in Altefähr auf Rügen

Stand: 03.10.2021 13:31 Uhr

In Altefähr auf Rügen sind zahlreiche Bäume gefällt worden. Die Gemeinde will den alten Kurpark wiederherstellen lassen - sehr zum Frust einiger Einwohner, die nun massive Kritik üben.

Es sind Buchen, Eschen und Kastanien, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Gelände des einstigen Kurparks gewachsen sind - und nun gefällt wurden. Davon betroffen ist auch ein Kletterwald, in dem man nun nicht mehr klettern kann. Die Gemeide Altefähr, die genau gegenüber von Stralsund liegt, will die alten Sichtachsen mit Blick auf die Hansestadt wiederherstellen - auch die ehemaligen Schwedenschanzen, wo früher zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs einmal Kanonen standen.

Status als Seebad in Gefahr?

All das soll wieder sichtbar werden. Die Gemeinde war aufgefordert worden, etwas für den historischen Landschaftsschutz zu tun, wenn sie weiterhin die staatliche Anerkennung als Seebad behalten wolle, heißt es. Bürgermeister Frank Jätschmann (SPD) verweist auf einen weiteren Punkt: Es geht um die Sicherheit. Denn zahlreiche Bäume hätten bei Sturm Schäden durch herabfallende Äste verursacht.

Bürgerinitiative gegründet, Kinder sammeln Unterschriften

Doch wegen der gefällten Bäume regt sich Protest. Die Baumfäll-Gegner kritisieren die aus ihrer Sicht unzureichende Informationspolitik der Gemeindevertreter zu der Umgestaltung des Areals. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet, Kinder sammelten Unterschriften, um die Fällung verbliebener Bäume zu verhindern. Nach Angaben der Bürgerinitiative soll es auch Fehler im Gestaltungsplan gegeben haben, so dass fälschlicherweise Bäume auf Privatgrundstücken gefällt wurden. Hauptkritikpunkt ist aber die Missachtung des Klimaschutzes. Wie solle man den Kindern noch etwas über Umweltschutz und Nachhaltigkeit erklären, wenn auf dem Areal Tatsachen geschaffen werden, sagte eine Sprecherin der Bürgerinitiative. Zudem sei ein Kurpark nicht mehr zeitgemäß.

Pläne bereits 2016 beschlossen

Die Bürgerinitiative sprach von einer Hau-Ruck-Aktion, viele Bürger fühlten sich überrumpelt. Die Gemeinde beruft sich hingegen auf ein transparentes, rechtskonformes Vorgehen. Die Pläne und Entscheidungen der Gemeindevertreter im Jahr 2016 sowie die Zustimmungen der zuständigen Ämter hätten lange öffentlich ausgelegen, heißt es. Die Naturschutzbehörde, das Forstamt und der Denkmalschutz seien in die Pläne eingebunden.

Noch bis Ende Oktober dürfen Bäume gefällt werden. Offen bleibt zunächst, ob die Gemeinde und die Bürgerinitiative noch einmal miteinander ins Gespräch kommen. Im Sommer 2022 soll der neue, "alte" Kurpark mit Kurplatz fertig sein. Nach Angaben der Gemeinde könnte das Land dem Seebad von den Gesamtkosten in Höhe von von gut 440.000 Euro gut 90 Prozent erstatten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Mittagsschau kompakt | 03.10.2021 | 12:00 Uhr

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