Stand: 17.05.2018 18:03 Uhr

Schwesig zu Nord Stream 2: "Wir entscheiden selbst"

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Bild vergrößern
Am deutschen Anlandepunkt in Lubmin bei Greifswald wird an den Fundamenten der Gasempfangstation bereits gearbeitet.

Das Unternehmen Nord Stream 2 hat gelassen auf die jüngsten Attacken der US-Regierung gegen die geplante zweite Gaspipeline durch die Ostsee reagiert. Ein Unternehmenssprecher verwies mit Blick auf mögliche US-Handelssanktionen auf die engen Voraussetzungen solcher Maßnahmen. Zuvor hatte die Energiebeauftragte im US-Außenministerium, Sandra Oudkirk, bei einem Besuch in Berlin die Ablehnung ihres Landes wiederholt - zwei Tage nach dem Baubeginn im Greifswalder Bodden. Die Pipeline sei schlecht für die Ukraine und schlecht für Europa, so Oudkrik. Sie schloss Sanktionen gegen die zum russischen Gazprom-Konzern gehörende Nord-Stream-2-AG nicht aus. Diese Sanktionen seien grundsätzlich möglich. US-Präsident Donald Trump hatte Nord Stream 2 bereits öfter scharf kritisiert und davor gewarnt, dass sich Europas von russischem Gas abhängig macht.

Umweltschützer und Trump einer Meinung

Mit ihrem Nein bilden die USA unfreiwillig eine Allianz mit Naturschützern. Die lehnen das Projekt als unnötig ab. Die Baggerarbeiten beeinträchtigten den Lebensraum Ostsee, so der NABU. Außerdem würde das Gas die Energiewende torpedieren, es gebe keinen Bedarf für die Lieferungen. Aus den gleichen Gründen hatte die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock den Bau der Gaspipeline jüngst scharf kritisiert.

Firmensprecher verweist auf Richtlinien

Videos
05:52
Nordmagazin

Baustart für umstrittene Erdgas-Pipeline

15.05.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin

Die Nord Stream 2 AG hat im Greifswalder Bodden mit den Arbeiten für die neue Erdgaspipeline begonnen. Der Umweltverband NABU befürchtet, dass dabei Schutzgebiete zerstört werden. Video (05:52 min)

Ein Nord-Stream-Sprecher in der Schweiz meinte auf Anfrage von NDR 1 Radio MV, mögliche US-Sanktionen sähen jedoch eine Abstimmung mit den Verbündeten vor - an dem Projekten seien Investoren aus fünf Ländern beteiligt, Investoren aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien, Österreich und den Niederlanden würden zusammen mehrere Milliarden Euro in die Hand nehmen. Laut den US-Richtlinien sind Sanktionen auch nur für Investitionen vorgesehen, die nach dem 2. August 2017 bestätigt wurden. Die milliardenschweren Finanzierungen des Pipeline-Projekts sind vorher - im April 2017 - abgeschlossen worden. Außerdem sollen Sanktionen laut US-Richtlinien die Energiesicherheit Europas nicht beeinträchtigen. Energieexperten, so der Sprecher des Energieunternehmens, würden Nord Stream 2 jedoch als unverzichtbaren Beitrag zur langfristigen Versorgungssicherheit bewerten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßt Russlands Präsidenten Wladimir Putin beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017. © dpa bildfunk Fotograf: Michael Kappeler

Platzeck begrüßt Treffen von Merkel mit Putin

NDR Info - Aktuell -

Bundeskanzlerin Merkel trifft sich mit Russlands Präsident Putin. Das sei ein gutes Zeichen, sagte der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Platzeck, auf NDR Info.

5 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Schwesig: "Deutschland entscheidet selbst"

Bild vergrößern
"Deutschland muss selbst entscheiden": Manuela Schwesig reagierte gelassen auf die Drohungen der USA mit Sanktionen. (Archivbild)

Die Landesregierung in Schwerin steht hinter dem Projekt. "Deutschland", so Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) auf Anfrage des NDR, "muss selbst entscheiden können, wo und auf welchem Weg wir dringend notwendige Rohstoffe beziehen." Die Pipeline sei wichtig für die Energieversorgung in Deutschland. Außerdem sorgten der Bau und in geringerem Maße auch der Betrieb für Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern. Dass die Bundesregierung auch die Interessen der kleineren osteuropäischen Staaten im Blick hat, zeigten die Gespräche, die aktuell zur Pipeline geführt werden.

Wirtschaftsminister in Moskau und Kiew

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte zu Wochenbeginn bei Gesprächen in Moskau und Kiew im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine vermittelt. Die Ukraine fürchtet bei einem Wegfall von Gaslieferungen über das eigene Staatsgebiet weniger Einnahmen und eine höhere Abhängigkeit vom russischen Gas. Auch in Polen und den baltischen Ländern werden ähnliche Befürchtungen geäußert. Am Donnerstag könnte das Thema auch bei einem Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im russischen Sotchi eine Rolle spielen.

Neun Milliarden Euro teures Projekt

Die Pipeline soll frühestens von Ende 2019 an russisches Gas durch die Ostsee nach Westeuropa liefern und - wie schon die erste Leitung - in Lubmin bei Greifswald anlanden. Die Baukosten werden auf bis zu neun Milliarden veranschlagt. 

Weitere Informationen

Bau der Erdgas-Pipeline Nord Stream 2 gestartet

Im Greifswalder Bodden haben die Arbeiten für die umstrittene Erdgaspipeline Nord Stream 2 begonnen. Seit dem Morgen sind vor Lubmin mehrere Baggerschiffe im Einsatz. mehr

NABU will Baubeginn von Nord Stream 2 verhindern

Der Umweltverband NABU will den für Mitte Mai geplanten Baustart der Gaspipeline Nord Stream 2 verhindern. Der Verband reichte erneut einen Eilantrag beim Oberverwaltungsgericht Greifswald ein. (11.05.2018) mehr

NABU klagt gegen Nord Stream 2

Der Naturschutzbund hat per Eilantrag Klage beim Oberverwaltungsgericht Greifswald eingereicht. In der Kritik stehen grobe Verfahrensfehler bei der Genehmigung der Ostseepipeline Nord Stream 2. (06.03.2018) mehr

Nord Stream 2 in Deutschland genehmigt

Die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 ist in Deutschland genehmigt worden. In vier weiteren Anrainerstaaten steht die Freigabe für den Bau der Erdgasleitung noch aus. (27.03.2018) mehr

Das Erste: Panorama

Heimlicher Wirtschaftskrieg: USA wollen deutsche Pipeline verhindern

03.05.2018 21:45 Uhr
Das Erste: Panorama

Die USA wollen die Gas-Pipeline "Nord Stream 2" zwischen Deutschland und Russland verhindern, drohen mit Sanktionen. Der Grund: Sie wollen ihr eigenes Gas verkaufen. (04.05.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.05.2018 | 17:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

00:40
Nordmagazin
02:21
Nordmagazin

Schwerin: Wasserversorger gießt Pflanzen

13.08.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
03:18
Nordmagazin

Zu Gast im Verkehrskindergarten Neubrandenburg

13.08.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin