Stand: 16.12.2019 15:01 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Schweinepest: MV in Alarmbereitschaft

Ein Wildschwein in Nahaufnahme © dpa-Bildfunk Foto: Lino Mirgeler/dpa
Die Afrikanische Schweinepest rückt immer näher. (Archivbild)

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) befindet sich weiter auf dem Vormarsch - die Sorge in Mecklenburg-Vorpommern wächst. Wie Agrarminister Till Backhaus (SPD) während seiner Jahrespressekonferenz in Schwerin erklärte, wurde zuletzt ein infiziertes Wildschwein auf polnischer Seite in einer Entfernung von nur etwa 160 Kilometern gefunden. Das Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems geht davon aus, dass die Tierseuche sich "in einer Phase des maximalen Wachstums" befinde, so Backhaus.

Nachweis hätte wirtschaftliche Folgen

In Deutschland ist bisher kein Fall der Afrikanischen Schweinepest bei einem Wild- oder Hausschwein bekannt. Ein Nachweis der Seuche hätte empfindliche wirtschaftliche Folgen: Schweinefleischexporte in Nicht-EU-Länder wie nach China oder in andere asiatische Länder würden sofort gestoppt. Exporte innerhalb der EU wären davon jedoch nicht betroffen.

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Ein totes Wildschwein liegt am Straßenrand in Wolfsburg. © NDR

Schweinepest: Backhaus ruft zu erhöhter Wachsamkeit auf

Umweltminister Backhaus hat zu mehr Wachsamkeit vor der Afrikanischen Schweinepest aufgerufen. Er reagierte auf einen Fall, in dem sich niemand für ein totes Wildschwein zuständig fühlte. mehr

Krisenstab für MV eingerichtet

Backhaus rechnet damit, dass sich die Tierseuche weiter ausbreitet. Ein Krisenstab unter Beteiligung des Landestierarztes sei bereits im Nordosten eingerichtet, hieß es. Dieser arbeite eng mit Kollegen auf polnischer Seite zusammen. Sollte die ASP auf weniger als 100 Kilometer an den Nordosten heranrücken, werde der Krisenstab zusammenkommen und "über verstärkte Maßnahmen nachdenken". Welche das sein könnten, blieb offen.

Ausbreitung offenbar menschengemacht

Aus Sorge vor einer möglichen Einschleppung rief Backhaus zu erhöhter Wachsamkeit auf. Spaziergänger, Jäger und Behörden sind angehalten, verendete Wildschweine unverzüglich zu melden. Autobahnen und Rastplätze nahe der polnischen Grenze seien als Schutzmaßnahme bereits eingezäunt. Auch würden Plakate darauf hinweisen, dort keine Speisereste in der Natur, sondern in Müllcontainern zu entsorgen. Denn die Experten sind sich so gut wie sicher, dass vor allem der Mensch als Auslöser der Afrikanischen Schweinepest gilt. Ein Nachweis für diese Vermutung steht allerdings noch aus. Backhaus sendete außerdem noch einmal einen Appell an Urlauber und Verbraucher, keine Schweinefleischprodukte aus Polen mitzubringen.

Die Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in den vergangenen Jahrzehnten auch außerhalb Afrikas aufgetreten, zuletzt vor allem in Russland. ASP ist eine schwere Virusinfektion, die Haus- und Wildschweine betrifft und sich zum Beispiel über Transportfahrzeuge oder Kleidung ausbreitet. Kontakte der Tiere untereinander oder Futter aus Speiseabfällen können ebenfalls Infektionsquellen sein. In Afrika verbreiten auch Zecken die Krankheit weiter. Befallene Tiere leiden an unterschiedlichen Symptomen wie hohem Fieber oder Atemproblemen und verenden in der Regel innerhalb weniger Tage.

Brandenburg plant offenbar Wildschweinzaun

Im benachbarten Brandenburg ist bereits ein Zaun auf dem Oderdeich im Gespräch. Zuletzt waren in Polen infizierte, tote Wildschweine nur rund 40 Kilometer von der brandenburgisch-polnischen Grenze entfernt entdeckt worden. Auch Mecklenburg-Vorpommern habe im vergangenen Jahr einen rund 50 Kilometer langen Elektrozaun angeschafft, um den Fundort eines möglicherweise infizierten Tieres im Falle des Falles abzusichern. Mecklenburg-Vorpommern allerdings ist landschaftlich anders geprägt. Die vorpommersche Grenze zu Polen sei überwiegend durch Niedermoorflächen, Flüsse und Seen geprägt.

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Ein totes Wildschwein liegt am Straßenrand in Wolfsburg. © NDR

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Mikroskop-Aufnahme des Virus der Afrikanischen Schweinepest. © NDR/Friedrich-Löffler-Institut

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Ein Wildschwein steht in seinem Gehege im Tierpark Arche Warder an einem Zaun. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

Schweinepest: MV testet erstmals Elektrozaun

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.12.2019 | 15:01 Uhr

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