Mordfall Leonie: Stiefvater erneut zu lebenslang verurteilt

Stand: 25.02.2021 15:51 Uhr

Gut zwei Jahre nach dem gewaltsamen Tod der kleinen Leonie in Vorpommern hat das Landgericht Neubrandenburg den Stiefvater erneut wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Revisionsprozess ging es vor allem um das Motiv.

Im Revisionsprozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus ist der Stiefvater erneut zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. "Das war ein Verdeckungsmord durch Unterlassen", sagte der Vorsitzende Richter am Donnerstag bei der Urteilsverkündung. Der 29-Jährige Angeklagte habe verhindern wollen, dass das Mädchen zum Beispiel ihrer Mutter von den Misshandlungen erzählt, die er dem Kind zugefügt hatte, und deshalb die medizinische Hilfe um Stunden verzögert. Dafür habe er der Mutter gegenüber sogar einen Notruf vorgetäuscht. Damit bestätigte die Kammer das erste Urteil von 2020.

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Der Stiefvater der verstorbenen Leonie vor Gericht, er trägt eine Maske und eine Kapuzenjacke.
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Revisionsprozess Mordfall Leonie: Stiefvater schweigt

Der 29-Jährige steht erneut wegen Mordes vor Gericht. In erster Instanz waren die Richter von seiner Schuld überzeugt. 2 Min

Urteilsbegründung wie vor einem Jahr

Das Landgericht musste in diesem zweiten Prozess entscheiden, ob die lebenslange Haftstrafe für den Stiefvater bestehen bleibt oder geringer ausfällt. Er hatte das erste Urteil vom Januar 2020 erfolgreich angezweifelt, der Bundesgerichtshof (BGH) einen zweiten Prozess angeordnet. Die Staatsanwaltschaft hatte erneut eine lebenslange Haftstrafe für den 29-Jährigen wegen "Mordes aus niederen Beweggründen" gefordert. Er habe eine "negative Grundeinstellung" zu seinen beiden Stiefkindern gehabt und seine Machtstellung mit Gewalt durchsetzen wollen. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Körperverletzung mit Todesfolge und fordert insgesamt sechs Jahre Haft für den Stiefvater: fünf Jahre im Fall Leonie und ein weiteres Jahr wegen Körperverletzung des jüngeren Bruders.

BGH forderte genauer Prüfung des Motivs

Vor einem Jahr hatte das Gericht bereits entschieden, Leonies Stiefvater habe den Mord begangen, um zu vertuschen, dass er das Mädchen zuvor schwer misshandelt hatte. Diese Argumentation sei nicht schlüssig im ersten Urteil begründet worden, befand der BGH. Der Stiefvater hatte das Mädchen vor gut zwei Jahren so schwer misshandelt, dass die Sechsjährige am 12. Januar 2019 in der Wohnung der Familie an den Folgen starb.

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Der angeklagte Stiefvater der gewaltsam zu Tode gekommenen Leonie verdeckt im Prozess in Neubrandenburg sein Gesicht. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.02.2021 | 16:00 Uhr

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